
Die Gemeinde, deren Gebiet (Fläche 26 km²) sich vom südlichen Ende des Attersees bis an den Mondsee erstreckt, hat heute ca. 1400 Einwohner.
Im 19. Jahrhundert, als man Unterach vornehmlich auf dem Seeweg erreichte, entstand die Bezeichnung "Klein Venedig" für den Ort, und der nahe gelegene Berghof war zu Zeiten der Monarchie ein Zentrum des gesellschaftlichen Lebens.
Aus der Geschichte
Die Pfahlbaustationen Misling I, II (Attersee) und See Au (Mondsee) bezeugen eine frühe Besiedelung der Gemeinde in der Jungsteinzeit. Einige Kleinfunde aus der Römerzeit deuten auf eine Siedlungskontinuität über die Zeitenwende hin.
Der Name "untraha" (=Zwischenwasser) bezieht sich auf die Seeache, welche vom Mondsee kommend bei Unterach in den Attersee mündet. In Zusammenhang mit der Gründung des Klosters Mondsee (748) wird Unterach das erste Mal urkundlich erwähnt. Zu einem Dorf entwickelt haben dürfte sich die Ansiedlung jedoch erst im 9. Jahrhundert. Um das Jahr 990 entstand der erste, dem hl. Bartholomäus geweihte Kirchenbau.
Im Mittelalter war hier das zur Herrschaft Kogl gehörende Amt Unterach. Die Vischmaister - deren Name auf die große Bedeutung der Fischerei hinweist - waren im Spätmittelalter die Herren von Unterach. Ihnen folgten die Lasser von Lasseregg, und aus dem Edelsitz dieser Familie entwickelte sich im Laufe des 16. und 17. Jh.s ein eigener, kleiner Herrschaftsbezirk. Das um 1560 errichtete Schloss wurde durch Umbauten Anfang des 20. Jhs. stark verändert.
In der Mitte des 16. Jhs. präsentierte sich Unterach als vollständig protestantischer Ort, in dem auch evangelische Bürger aus dem nahe liegenden Erzbistum Salzburg Zuflucht fanden. Bereits um 1600 wird eine Schule erwähnt. Die Entlegenheit des Ortes erwies sich in den turbulenten Jahren der napoleonischen Kriege als äußerst günstig, denn "sogar diejenigen, die Unterach eine Hölle nannten, äußerten sich, daß es in Kriegszeiten ein Himmel sei".
Wenige Jahrzehnte später begann dr Aufstieg als Sommerfrischeort, und in der Glanzzeit um die Jahrhundertwende entstanden viele Villen entlang der heutigen Maria-Jeritza-Straße (benannt nach der großen Primadonna, 1887-1982, die hier seit 1925 ein Haus hatte).
Von großer kultureller Bedeutung war der "Berghof" in der Nähe von Unterach (in Burgau, auf dem Gemeindegebiet von St. Gilgen im Land Salzburg, das von der Seeache bis zum Weißenbach an den Attersee grenzt). Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Johannes Brahms, Hugo Wolf sind einige der bekanntesten Namen, denen der Leser bzw. die Leserin in den entsprechenden Abschnitten über Musik und Literatur begegnen kann.
Eine weitere berühmte Persönlichkeit, welche Anfang des 20. Jhs. nach Unterach kam, war Prof. Dr.tech. Viktor Kaplan (1876-1934). Nach dem ersten Weltkrieg kaufte er das Gut Rochuspoint, welches auf einer Anhöhe zwischen Attersee und Mondsee liegt. In der Nähe dieses Besitzes, mitten im Wald, befindet sich auch das Mausoleum Kaplans (Grabkapelle). Durch die Erfindung einer nach ihm benannten Turbine, welche für die Stromerzeugung in Flusskraftwerken große Bedeutung erhielt, gelangte Viktor Kaplan zu internationalem Ansehen.
Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Gemeinde, in der die Landwirtschaft aus geografischen Gründen stets eine untergeordnete Rolle gespielt hat, ist seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges die pharmazeutische Fabrik EBEWE. Das Unternehmen hat sich auf die Herstellung von sterilen Arzneimitteln in injizierbarer Form - vor allem für die Onkologie - spezialisiert.
Bauwerke und Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche zum hl. Bartholomäus
An der Eingangswand sind insgesamt fünf, teilweise stark verwitterte Grabsteine aus dem Ende des 16. Jhs. angebracht. Besonders gut erhalten ist der Grabstein des Caspar Allt (gest. 1584). Das Wappen auf diesem Stein zeigt im Schild einen Fisch und Herz (Vorlage für das Gemeindewappen) sowie als Helmzier einen bärtigen Mann, der einen Fisch in der rechten Hand hält.
Der Innenraum ist ein einschiffiger Bau aus der Barockzeit. Das Presbyterium (Altarraum) stammt noch aus der Spätgotik, wobei die Struktur der 1782 abgeschlagenen Netzrippen des Gewölbes gut sichtbar ist. Das Zentrum des frühbarocken Hochaltares (ca. 1650) ist ein Gemälde, welches Bartolomeo Altomonte (1702-1779) zugeschrieben wird. In eindrucksvoller Hell-Dunkel-Malerei wird das Martyrium des hl. Bartholomäus (Abziehen der Haut bei lebendigem Leib) dargestellt. Die Statuen der Heiligen Josef und Nepomuk stehen als Schreinwächter auf dem Hochaltar. Die Glasfenster mit Heiligendarstellungen stammen aus der Zeit um 1900. Eine Kostbarkeit ist die original gefasste gotische Skulptur Maria mit dem Kind (ca. 1400) auf der linken Seite des Triumphbogens.
Die Gemälde der beiden neubarocken Seitenaltäre zeigen eine Pieta (Maria mit dem toten Jesus) sowie die Heilige Familie im Stil der Nazarener.
Die zweimanualige Orgel (von Martin Pflüger, Feldkirch) wurde im Oktober 1996 geweiht.
Das äußere Erscheinungsbild der Unteracher Kirche ist durch die Bilder Gustav Klimts weit über die Region hinaus bekannt.
Gustav-Klimt-Platz
am Seeufer unterhalb der Kirche, im Sommer 2003 wurde hier eine Büste Gustav-Klimts aufgestellt.
Villenbauten der Jahrhundertwende
Es empfiehlt sich ein Spaziergang entlang der Maria-Jeritza-Straße bzw. eine Bootsfahrt auf dem See in nördlicher Richtung, denn dabei kann man die unterschiedlichen Bauformen am besten auf sich wirken lassen. Man findet Villen im Stile des Historismus mit Türmen, Erkern und anderem "mittelalterlichem" Zierrat, Häuser mit Fachwerkbauteilen (das ehemalige Lasser-Schloss) und Bauten im bäuerlichen Stil.
Edelkastanienwald
über der Umfahrungsstraße gelegen; die Edelkastanie gedeiht normalerweise nur südlich der Alpen, zB in Südtirol, wo die Maroni gerne zum Rotwein gegessen werden. Das günstige Klima und die Lage am Südhang ermöglichen diese Besonderheit der Flora am Attersee, denn nördlich der Alpen gelangen Edelkastanien nur hier zur Reife. Auch ein wenig Wein gedeiht hier in der Nähe.
Jubiläumsbaum
1908 zum 60jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph gepflanzt, auf einer Anhöhe über Unterach gelegen.
Egelsee
Inmitten eines Hochmoores befindet sich der kleine Bergsee in 624 m Seehöhe. Der etwa ein Hektar große See ist bis zu sieben Meter tief und wird von botanisch wertvollen Verlandungszonen umgeben. Allein das Vorkommen von sechs Insekten-fressenden Pflanzen (zB Sonnentau/Drosera) und zwölf Orchideen-Arten spiegelt die pflanzensoziologische Vielfalt wider.