
Die Gemeinde Weyregg erstreckt sich über eine Fläche von 54,5 km² und hat ca. 1500 Einwohner.
Die sonnige Lage am Westufer des Attersees hat schon zu Beginn unserer Zeitrechnung begüterte Römer dazu veranlasst, hier ihre Villen zu errichten.
Aus der Geschichte
Eine Unzahl von Pfählen am Seeboden in der Bucht vom Landungssteg bis zum Steinwandeck im Süden bezeugt eine dichte Besiedelung in der Jungsteinzeit. Es sind dies die Überreste des größten bekannten Pfahlbaudorfes in Österreich. Die sogenannten Seeuferbauten waren erst später durch einen Seespiegelanstieg unter Wasser gesetzt worden. Grabungen vor dem Dampfersteg haben erwiesen, dass neben der ab 3800 v.Chr. einsetzenden Mondsee-Pfahlbaukultur auch eine etwa 500 Jahre später aufblühende Attersee-Kultur existierte.
Die archäologischen Funde aus der Römerzeit gehören zu den interessantesten Relikten dieser Periode am Attersee. Die Reste einer römischen Hafenanlage, die man heute noch mit freiem Auge erkennen kann, sind ein Unterwasserdenkmal, welches für den euopäischen Raum nördlich der Alpen einzigartig ist. Dieser Hafen bezeugt auch die große Bedeutung des Attersees als Verkehrsweg für die römischen Villen in Weyregg, die ja keinen direkten Anschluss an das römische Straßensystem hatten. Bereits 1767 und 1830 wurden im Garten des Polhammergutes (Nr.6) Fragmente von römischen Villen entdeckt, bis heute sind insgesamt vier Villenanlagen (A-D) bekannt. Die Gebäude entstanden wohl Ende des 2. Jahrhunderts und wurden durch den Einbau von Fußbodenheizungen und neuen Mosaikböden um 290 n.Chr. auf luxuriöse Weise umgebaut. Zwei sehr anschauliche Modelle der Villen und einige Fundstücke (Mosaikreste) zeigt das Heimathaus in Vöcklabruck. Das Mosaik mit dem herzförmigen Efeublatt, einem Glückssymbol, diente als Vorlage für das neue Gemeindewappen und befindet sich nun im Inneren der Volksschule. Wer diese Villen errichtet und bewohnt hat, bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen. Da unter den Fundgegenständen kaum Münzen oder Gebrauchsgegenstände waren und da auch keine Anzeichen eines Brandes vorhanden sind, kann man vermuten, dass die Römer in noch friedlicheren Zeiten, vor den Stürmen der Völkerwanderung, in ihre Heimat zurückgekehrt sind.
Sämtliche Ortsnamen der Gemeinde Weyregg sind erst durch sehr späte urkundliche Erstnennungen belegt (zumeist um die Mitte des 16. Jhs.), so dass wir über den Beginn der bairischen Besiedelung keine exakten Angaben machen können. Bei den "-ing"-Namen der Gemeinde (Schaffling, Wolfering, Schmaußing) handelt es sich jedenfalls nicht um alte bairische Ortsnamen aus dem Frühmittelalter, sondern um sogenannte Rückverkürzungen von ursprünglichen "-inger-Namen". Zum Beispiel wird 1550 in einem Urbar (Aufgabenbuch) der Herrschaft Kammer ein Hainr. Schäffler (=Fassmacher) in Schäfflingern genannt.
Der Name für Weyregg lautete früher "Weyer" (1472) und bezeichnet einen Weiher oder Fischteich. Erst nach der Erbauung eines Freisitzes (kleines Schloss) 1590 durch Siegmund Widerroiter, den Pfleger von Kogl, setzt sich allmählich der Name Weyregg durch.
Schon vor dem Beginn der großen Bauernkriege war es 1511 zu einem Aufstand wütender Weyregger Bauern gegen die steuerpfändenden Landsknechte des Pflegers von Schloss Kogl gekommen.
Die Erinnerung an ein Unglück, welches 1742 geschah, blieb in der Bevölkerung lange wach. Eine Plätte (Transportschiff) mit Wallfahrern, die Richtung Weißenbach unterwegs waren und von dort nach St. Wolfgang weiter wollten, kenterte. Viele Menschen kamen dabei ums Leben, und es wird berichtet, dass nach dem Unglück manches Haus in Weyregg leer stand. Eine Kapelle auf dem Weg vom Landungsplatz zum Strandbad erinnert an diese Katastrophe.
Das Schloss Weyregg, ein einfaches viereckiges Gebäude, wie es auf der Topographie Vischers von 1668 zu sehen ist, wurde 1792 abgebrochen. 1886 löste sich Steinbach als eigene Gemeinde von Weyregg.
Im Sommer 1945, also wenige Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als Österreich von den Allierten besetzt war und die Einheit der wiedererrichteten Republik durch die Spannungen zwischen der Sowjetunion und den westlichen Mächten in Gefahr war, kam es in Weyregg zu einer historisch wichtigen Begegnung.
Dr. Heinrich Gleißner, der von den Nationalsozialisten verfolgt worden war und einen Teil der Kriegsjahre in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald inhaftiert war, wurde im Oktober 1945 zum Landeshauptmann von Oberösterreich gewählt. Im Sommer 1945 hielt sich Dr. Gleißner, der damals als OÖ Landesrat eine politische Funktion hatt, in Weyregg auf, und dort besuchte ihn Ende August der spätere Bundeskanzler Dr. Leopold Figl. Bei dem langen Gespräch ging es darum, wie man sich den allierten Besatzungsmächten gegenüber verhalten solle, um die Einheit Österreichs zu erhalten und die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Die moderne Stahlplastik "Ungeteiltes Österreich" vor dem Gemeindamt, die der Weyregger Künstler Thomas Bracher 1995 geschaffen hat, erinnert an diese geschichtsträchtige Begegnung.
Bauwerke und Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche zum hl. Valentin
von dem kleinen spätgotischen Bau bleib nur das Presbyterium (Altarraum) erhalten. 1931/32 wurde das Kirchenschiff in vergrößerter Form neu aufgebaut, und auch der Turm stammt aus dieser Zeit. Das gotisierende Kreuzrippengewölbe des Langhauses unterscheidet sich durch seine einfache symmetrische Struktur deutlich von den spannungsgeladenen asymmetrischen Gewölben aus dem Mittelalter, wie wir sie aus anderen Kirchen des Attergaues kennen (St. Georgen, Schörfling, Abtsdorf).
Altarraum mi neugotischem Hochaltar, in den Gewölbefeldern moderen Seccomalerei (1952) von Karl Weiser; an den Seitenwänden die spätgotischen Statuen der heiligen Sebastian (links) und Valentin (rechts), vermutlich aus der Schule des Lienhart Astl. Die Mondsichelmadonna (wohl gotisch, aber barock überarbeitet) am linken Seitenaltar ist von unbekannter Herkunft.
Mosaikreste aus den römischen Villen auf der Außenmauer und im Innenraum der Volksschule
Inschrifttafel auf dem einstigen Schulgebäude
(Weyregg Nr.2, unterhalb der Kirche):
In einer Kirchenrechnung von 1665 wird erstmals ein Schulmeister erwähnt, und Anfang des 18.Jhs.
entstand ein Neubau, an den die lateinische Inschrift über dem Eingang erinnert:
Illustrissimus Dominus
Comes Antonius de Kheve-
hüller hanc scholam soler-
ti grataeque Juventuti in
Weyeregg --- eXtrVxIt.
(Der durchlauchtigste Herr
Graf Anton von Khevenhüller
hat diese Schule für die
fleißige und dankbare Jugend
in Weyregg---errichtet.)
Bei den in Fettdruck hervorgehobenen Großbuchstaben handelt es sich um ein Chronogramm, aus dem sich die Jahrezahl MDCCXVI (1716) ergibt. Graf Franz Ferdinand Anton lebte von 1682 bis 1746.
K.u.K. Hausmuseum
"Auf den Spuren der Habsburger", im Gasthaus zur Post am Landungsplatz
Seewasser-Aquarium
im Juni 2003 eröffnet, beim Musikpavillon neben dem Standbad; Schautafeln informieren über die Fische, die im Attersee vorkommen, man erfährt auch, welche Restaurants Seefische anbieten.
Naturlehrpfad mit geologischem Schwerpunkt - vom Dr. Gleißner-Weg aus