
Das Gemeindegebiet umfasst 18 Ortschaften mit ca. 980 Einwohnern, und die Siedlungsstruktur ist nach wie vor von der Landwirtschaft geprägt.
Weithin sichtbar erhebt sich auf 653 Metern Seehöhe die Pfarrkirche von Weißenkirchen, von der aus sich ein herrlicher Rundblick auf die Landschaft des Attergaues darbietet.
Aus der Geschichte
Mehrere echte "-ing"-Namen (Witzmaning, Hipping) in der Gegend nördlich von Weißenkirchen belegen, dass das Gemeindgebiet schon im Frühmittelalter besiedelt wurde. Weitere Ortsnamen (Röth, Reittern) weisen darauf hin,dass im Hochmittelalter (11./12. Jh.) der Siedlungsraum durch Rodungen erweitert wurde.
Der erste urkundliche Nachweis eine Kirchenbaues stammt aus einem Ablassbrief für die Pfarre St. Georgen im Attergau (1299), wobei die Kirchen ursprünglich nach ihrer Schutzheiligen "St. Margaretha im Wald" bezeichnet wurde. Erst im 15. Jahrhundert begegnen wir der heutigen Ortsbezeichnung, die darauf hinweist, dass man eine frühere Holzkirche durch einen Steinbau ersetzte.
Einer Sage nach sollte die Kirche ursprünglich auf einem anderen Platz in Tuttingen erbaut werden. Nachdem das Baumaterial aber zu wiederholtem Male auf wundersame Weise von dort auf die Bergeshöhe gebracht worden war, baute man die Kirche an der heutigen Stelle auf.
In der Barockzeit, als das Wallfahrtswesen im Zuge der Gegenreformation einen neuen Aufschwung erlebte, kam es auch in Weißenkirchen zu einer Wallfahrt zum hl. Leonhard, dem zweiten Kirchenpatron. 1711 wird zum Beispiel in einer Kirchenrechnung der Pfarre St. Georgen erwähnt, man habe zur Abwendung einer Viehseuche eine Prozession nach St. Margarethen abgehalten. Auch der sogenannte Leonhardi-Ritt entstand in dieser Zeit, wurde aber im Zuge des Wallfahrtsverbotes durch Joseph II. (1765-1790) eingestellt und erst 1924 wieder erneuert.
Am nächstgelegenen Sonntag zum 6. November versammeln sich alljährlich an die 200 Pferde und tausende Besucher. Der Leonhardi-Ritt ist dadurch zur größten Brauchtumsveranstaltung mit religiösem Bezug im Attergau geworden. Das Fest besteht aus einem kirchlichen Teil (Leonhardi-Rosenkranz, Festgottesdienst, Pferde- und Kranzl-Segnung und dreimaligem Umreiten der Kirche) und einem weltlichen Teil (Geschicklichkeitsspiele wie "Kranzlstechen" und "Fasslschlagen").
1777 wurde Weißenkirchen mit der Loslösung von der Mutterpfarre St. Georgen eine eigene Pfarre. Die politische Gemeinde Weißenkirchen entstand 1851 und besteht aus den Katastralgemeinden Weißenkirchen und Freudenthal.
Von großer Bedeutung für die Erforschung der Geschichte des Attergaues ist der in Weißenkirchen geborene Prälat Dr. Josef Lohninger (1866-1926). Unter dem Pseudonym "Atergovius" veröffentlichte er 1913 "Die Pfarrkirche St. Georgen im Atergau. Blätter zur Geschichte des Atergaues". Nach einer Tätigkeit als Seelsorger in Unterach wurde er 1902 zum Rektor des Deutschen Nationalinstitutes Santa Maria dell'Anima in Rom ernannt. Seinen Lebensabend verbrachte er wiederum in Weißenkirchen, wo er sich in der Nähe seines Geburtshauses ein Landhaus nach dem Muster einer römischen Landvilla errichten ließ (Atriumshaus).
Bauwerke und Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche zur hl. Margaretha
beeindruckender spätgotischer Bau von Stephan Wultinger; der überraschend große Chor (Altarraum) 1512 vollendet, das zweischiffige Langhaus mit einer gerauteten Mittelsäule 1514; man beachte die unterschiedliche Konzeption und Raumwirkung dieser beiden Bauteile. Der neugotische Hochaltar stammt von dem Atterseer Bildhauer Josef Hochrainer (1890), dazu passen die beiden neugotischen Sitzbänke im Altarraum. Erwähnenswert sind auch die bildlichen Darstellungen auf der barocken Kanzel: vorne das Bild eines Sämannes in alter bäuerlicher Tracht des Attergaues, seitwärts der wunderbare Fischfang, altarseitig die Erscheinung des (hier jugendlich und bartlos gezeichneten) Auferstandenen vor den Jüngern in einer Landschaft, wie man sie hier im Attergau vor Augen hat. Beachtenswert ist das schöne gotische Eingangsportal (im oberen Teil durch den Vorbau teilw. vermauert). Die Westseite des Turmes ("Wetterseite") ist aufgrund der exponierten Lage der Kirche mit Eternittafeln verkleidet worden.
Museum Freudenthaler Glas
seit 1999 in einem Anbau der Volksschule untergebracht; die Bestände dieses Museums gehen auf die rege Sammel- und Forschungstätigkeit von KsR Johann Dopler zurück, der von 1959 bis 1997 als Pfarrer in Weißenkirchen wirkte und als "Glaslpfarrer" bezeichnet wurde.
Die Glashütte Freudenthal im waldreichen Talschluss des Sprenzlbaches wurde 1716 errichtet und bestand bis 1942. Ihr letzter Besitzer war Theodor Freiherr von Stimpfl-Abele. Eine breite Palette von Produkten wurde im Laufe der Zeit erzeugt, wobei das Absatzgebiet die meisten Länder der Donaumonarchie umfasste. Nach einem Brand und anschließendem Neuaufbau wurden nur mehr Medizin- und Apothekengläser hergestellt. Nach Absatzschwierigkeiten in der Zeit der Weltwirtschaftskrise und dem Einsturz des Fabrikdaches im strengen Winter 1942 wurde die Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr aufgenommen.
Informationen über die Öffnungszeiten des Museums im Gemeindeamt: 07684/6355
DerThemenweg "Das gläserne Tal" mit Schautafeln zur Geschichte der Glashütte wurde am 3. Juli 2005 eröffnet.
Jubiläumslinde
auf dem Ortsplatz; 1908 gepflanzt zum 60jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph.