
Der Attergau umfasst folgende Gemeinden:
Marktgemeinde St. Georgen (15 km², 4050 Einwohner)
Berg i.A. (20 km², ca. 1000 Einwohner)
Straß i.A. (31 km², ca. 1500 Einwohner)
An einer alten Römerstraße gelegen, entwickelte sich St. Georgen im Laufe des Mittelalters zu einem Markt, und die nahe gelegene Burg auf dem Koglberg war das Herrschaftszentrum des Attergaues. Nach 1848 entstanden auf dem Gebiet der Pfarre St. Georgen verschiedene politische Gemeinden. Die heute noch bestehenden sollen in einem Zusammmenhang vorgestellt werden:
Aus der Geschichte
Eine Siedlungskontinuität seit der Jungsteinzeit ist durch Funde belegt. Auf dem Ahberg (an der Straße von St. Georgen nach Straß) wurden 1996 Keramikscherben und eine Spinnwirtel ausgegraben, die aus der Zeit von 2000-1500 v.Chr. stammen. In der Gemeinde Berg wartet eine Reihe von keltischen Hügelgräbern auf die archäologische Erschließung. Eindrucksvolle Spuren aus der Römerzeit sind die sogenannten Quadrafluren von St. Georgen.
Es handelt sich dabei um ein Flurdenkmal von quadratischen Feldern, deren Form sich durch das zweimalige Ackern (in Längs- und Querrichtung) mit dem römischen Hakenpflug ergab und deren Spuren für den Archäologen bis heute in der Natur abzulesen sind.
Aus der Spätantike (Völkerwanderungszeit, 1. Hälfte 6.Jh.n.Chr.) stammt der Grabstein eines keltoromanischen Ehepaares, welcher bis 1970 im Chor der Pfarrkirche einmauert war und nunmehr im Pfarrmuseum zu besichtigen ist. Es war dies eine Zeit des Umbruchs, als im Zuge der Völkerwanderung um 500 ein Großteil der romanischen Bevölkerung das Land verließ und die germanischen Baiern hier ihre bäuerlichen Siedlungen errichteten, aus den sich die heutigen Ortschaften entwickelt haben.
Den ersten urkundlichen Nennungen von Ortsnamen begegnen wir schon im Frühmittelalter, so zB "locus Atragao" 790 (="Atergowdorf" 1150, das heutige St. Georgen) oder "Ponninwanch" 792 (=Powang, Gemeinde Straß).
Ein wichtiges Datum ist das Jahr 1007, als Köngig Heinrich II. den Atterhof (Burg Attersee) samt seinen Besitzungen im Attergau an das neu gegründete Bistum Bamberg schenkte. Mit der Verlegung der Hofmark von Attersee zur Georgskirche in St. Georgen im Jahre 1264 wird die Bedeutung dieses Ortes aufgewertet. Die folgende Entwicklung zu einem Markt mit dem Recht zur Abhaltung von Jahrmärkten kommt in der offiziellen Markterhebung von 1463 zum Ausdruck.
Da die Bevölkerung des Attergaues von den jeweiligen Herrschaftsinhabern (ab 1379 die Habsburger, von diesen jedoch weiter verpfändet; ab 1581 die Grafen Khevenhüller) unterdrückt und ausgebeutet wurde, kommt es in der Reformationszeit zu mehreren Bauernaufständen.
Das Narzberggut (Gemeinde Straß) erinnert an den "Nartz" vom Kronberg, welcher 1525 als radikaler Sprecher der aufständischen Bauern auftrat, mit seinen Forderungen letzendlich aber keinen Erfolg hatte.
Da gegen Ende des 16. Jh. die Lehre Luthers allgemein verbreitet war, wurden durch die Gegenreformation evangelische Prädikanten und Schulmeister vertrieben und die katholische Lehre wieder eingeführt.
Schloss Kogl wurde nach den Plänen des Linzer Baumeisters Jahnn Michael Prunner 1710 errichtet. Die hufeisenförmige Anlage erfuhr seither mehrere bauliche Umgestaltungen. Eine schattige Allee führt vm Schloss zum Markt.
St. Georgen ist heute ein regionales Schulzentrum, und obwohl das Siedlungsgebiet in den letzten Jahrzehnten beträchtlich erweitert wurde, hat "der Markt" mit seinen Geschäften und Häusern viel von seiner alten Atmosphäre bewahrt.
Bauwerke und Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche zum hl. Georg
Spätgotische Hallenkirche, die in mehreren Bauphasen ab 1400 errichtet wurde; das durch seine Raumhöhe beeindruckende zweischiffige Langhaus um 1500 unter der Mitwirkung von Stephan Wultinger, die Westempore dürfte erst später (Mitte 16. Jh.) in das Kirchenschiff vorgezogen worden sein. Inneneinrichtung aus der Barockzeit, wobgei man zwei verschiedene stilistische Phasen unterscheiden kann. Von einer ersten Barockisierung sind die Kanzel (1713, vom Mondseer Bildhauer Meinrad Guggenbichler) sowie einige Statuen (die Pieta in der Beichtkapelle, die beiden anbetenden Engel auf dem rechten Seitenaltar) erhalten geblieben. Man beachte insbesondere die Figur des "Guten Hirten" auf dem Schalldeckel der Kanzel, die in ihrer leicht gebeugten Haltung auf die räumlichen Gegebenheiten perfekt abgestimmt ist.
Der Hochaltar und die beiden Seitenaltär wurden später errichtet und sind durch die Verwendung von Stuckmarmor und Stuckdraperien dem sogenannten "höfischen Stil" zuzuordnen. Auf dem Hochaltar (1753) vom Schörflinger Stukkateur Holzinger zeigt das Altarbild von Bartolomeo Altomonte den Kirchenpatron, den hl. Georg, als Drachentöter. In den Volksaltar wurden Steine aus dem 1435 geweihten gotischen Altar eingemauert (Datumsangabe MCCCCXXXV). In der 1728 nördlich des Chores angebauten Kreuzkapelle befindet sich eine überlebensgroße Kreuzigungsgruppe aus dem Umkreis der Guggenbichler-Werkstatt.
Die neue, zweimanualige Pirchner-Orgel (21 Register), deren Gehäuse stilistisch auf die Kanzel bezogen ist, wurde 1991 geweiht. Hinweisen möchten wir auf das reich verstäbte spätgotische Südtor mit der netzrippengewölbten Vorhalle und auf den imposanten Kirchturm, welcher die nicht gesicherte Jahrezahl 1114 trägt. Der für das heutige Aussehen charakteristische Zwiebelhelm wurde nach einem Brand 1823 errichtet.
Kalvarienbergkirche
Auf einer Anhöhe bei Thern 1864-1869 zusammen mit 13 Kreuzwegstationen errichtet.
St. Johann am Ahber
Bei diesem Kirchlein handelt es sich um einen Neubau von 1911 (auf romanischen Resten). Archäologische Untersuchungen im Sommer 1996 haben die Bedeutung dieses Ortes, an dem sich wohl das älteste Gotteshaus im Gebiet von St. Georgen befunden hat, bestätigt. (Falls geschlossen, Schlüssel im Haus Thalham 20, unterhalb der Kirche).
Filialkirche Berg
Die heutige Bauform stammt aus dem 18. Jh., gotische und romanische Bauteile (Fenster) sind aber noch erkennbar. Die erste Kirche an dieser Stelle dürfte auf den hl. Rupert von Salzburg (gest. 715) zurückgehen. Der Platz um die Kirche diente früher als Friedhof. (Schlüssel momentan im Haus Berg Nr. 14)
Kronbergkapelle
Neugotischer Bau aus der 2. Hälfte des 19. Jh. mit neugotischem Altar und Wallfahrtsbild (Maria zur immerwährenden Hilfe); vom Platz aus herrlicher Rundblick auf den Attersee und die Landschaft des Attergaues.
Schloss Kogl
Die gepflegte Anlage aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. liegt inmitten eines weitläufigen Parks. Die beiden Seitenflügel der hufeisenförmigen Anlage sind durch einen Säulenportikus miteinander verbunden. In dem "Hof" befindet sich eine von dem Grazer Bildhauer Richard Jakitsch (gest. 1931) gestaltete Brunnengruppe fischender Knaben. Allegorische Fresken und Tierbilder im Inneren stammen von dem Maler Franz von Pausinger (gest. 1915). Um die Jahrhundertwende wurde die Schlossanlage durch die Aufstockung des Haupttraktes und der Seitenflügel, den Bau der Türme und der Schlosskapelle erweitert. Zu dem Schloss gehört ein umfangreicher Waldbesitz. In den Sommermonaten ist das Gebäude anlässlich von Veranstaltungen (Lesungen, Konzerte) zugänglich.
Von St. Georgen aus empfehlen wir einen Spaziergang über die Allee zum Schloss Kogl und von dort hinauf auf den Koglberg, wo einige Mauerreste der mittelalterlichen Burg zu sehen sind, bis zum Vogl-Anna-Platzerl (erinnert an die bekannte Mundartdichterin; ihr von Pfarrer Franz X. Blasl vertontes Gedicht "I woaß a Platzerl wunderschön" wurde zur inoffiziellen Hymne des Attergaues.
Auf der Marktstraße von St. Georgen befinden sich teilweise interessante Fassaden mit Stuckornamenten.
Tausendjährige Linde
Im unteren Teil des Marktes an der Dürren Ager; als "Gerichtsbaum" im Hochmittelalter gepflanzt, eine Schautafel neben dem Baum informiert über die wechselvolle Geschichte dieses Naturdenkmals.
Heimatmuseum im Aignerhaus
Eines der wenigen alten Mittertennhäuser, welches vor dem Verfall bewahrt wurde und mit alten Gerätschaften aus dem Attergau eingerichtet ist. - Mai bis Oktober, Mi und Do 14.00 - 16.30 (0699/1022 9547)
Pfarrmuseum
Die Schwerpunkte dieser Sammlung sind Urkunden (zB der älteste Ablassbrief in OÖ von 1299) und alte Schriftstücke, eine Dokumentation der Handwerke und Zünfte sowie Bilder und Zeichen der Volksfrömmigkeit - Mai bis Oktober, So 9:00 bis 11.30 (Tel. 07667/6238)
Haus der Kultur
Ausstellungen über Johann Beer (Der Dichter seiner Zeit. Ein Künstlerleben in der Barockezeit) und Erich W. Ricek (Ein Leben für die Wissenschaft. Lehrer, Wissenschaftler, Maler) - Öffnungszeiten und Führungen nach tel. Vereinbarung (07667/6352)