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Seepark Kammer<br />

Attersee und Attergau in der Malerei

Ein Wasserschloss mit Türmen und Erkern steht an einem Bergsee, in dem ein Schwan seine Kreise zieht - Diese Szenerie bildet den ungewohnten Hintergrund einer Kreuzigungsdarstellung auf dem spätgotischen Flügelaltar in Gampern.

In der Übergangszeit vom Mittelalter zur Neuzeit (um 1500) wird die Landschaft von den Malern "entdeckt". In diesem Fall sind es Schloss Kammer und der Attersee, eine topographisch bestimmbare Gegend, die der Maler bewusst abgebildet hat. Freilich haben die Bilder, Zeichnungen und Stiche, die dann in der Barockzeit entstehen, vor allem dokumentarischen Charakter. Sie zeigen den Besitzstand, die Schlösser und Herrschaftssitze. Als Beispiel dafür erwähnen wir die Stiche von Georg Mattäus Vischer und Mattäus Marian

Erst in der Biedermeierzeit kommen berühmte Landschaftsmaler an den Attersee und zeigen "realistische" Ansichten von der Gegend. Das Hauptinteresse galt damals aber der heroischen, bizarren Landschaft. Die Hauptmotive für ihre Bilder fanden die Maler deswegen vor allem im inneren Salzkammergut. Der Attersee, besonders der nördliche Teil mit seiner sanften Hügellandschaft, galt als wenig "pittoresk". Ein Beispiel für diese heroische Sichtweise ist die "Attergaulandschaft" von Franz Steinfeld aus dem Jahr 1841 (heute im Schlossmuseum in Linz). Der Maler blickt von einem Abhang des Buchberges oberhalb von Palmsdorf (Gem. Attersee) auf den südlichen Teil des Attersees, der von majestätischen, leicht überhöht gezeichneten Gebirgszügen eingerahmt wird, und ganz im Hintergrund leuchten die schneebedeckten Spitzen des Dachsteinmassivs.

Mittelpunkt für die Künstler war zu dieser Zeit Schloss Kogl bei St. Georgen, wo sich unter dem Schlossherrn Felix von Pausinger eine kleine Künstlerkolonie gebildet hatte. Rudolf von Alt (1812-1905) war 1843 hier im Attergau, er porträtierte verschiedene Personen (den Schlossherrn, den Amtsschreiber, den Landpfarrer), und von ihm stammt auch eine Ansicht des Ortes Attersee, welche sich heute im Besitz der Residenzgalerie Salzburg befindet.

So richtig entdeckt wird der Reiz der Atterseelandschaft schließlich mit dem Impressionismus, der das Atmosphärische der Luft, das Funkeln des Wassers, das Flüchtige der Farben und Schatten und den Wechsel des Lichtes auf die Leinwand bannen wollte.
Wenn nun der Attersee "als Malerlandschaft" erst im 10. Jahrhundert und damit später als andere Gegenden und Seen des Salzkammergutes entdeckt und frequentiert wurde, so gibt es andererseits keine zweite Seenlandschaft in Österreich, die auch nur annähernd so viele wichtige und verschiedenartige Maler anzog, dort zu leben oder sich wiederholt über die Sommermonate niederzulassen, um den Attersee zu bearbeiten.

Und das sah dann zum Beispiel so aus:
"In Litzlberg saß auf einer großen Wiese ein Mann vor einer Staffelei, trotz Sprühregen und Kälte, und malte einen Apfelbaum mit photographischer Schärfe. Wir traten näher, die Erwachsenen sagten einige freundliche Worte - aber das Genie hüllte sich in mürrisches Schweigen. Es war damals erstaunlich, wenn man so einfache Motive wählte, zu einer Zeit, da man besonders eindrucksvolle Ansichten der Gegend suchte. ....
Erst später erfuhren wir, daß der unbekannte Maler Gustav Klimt war."

Gustav Klimt verbrachte von 1900 bis 1916 jeweils die Sommermonate an verschiedenen Orten am Attersee. Bis 1907 nahm er im Litzlberger Brauhof Quartier, ab 1908 in der Villa Oleander in Kammer und ab 1914 im Forsthaus in Weissenbach. Zu den populärsten Bildern, die Klimt am Attersee geschaffen hat, zählen die Ansichten von Schloss Kammer, vom Litzlberger Keller, der Insel Litzlberg und von Unterach.
Charakteristisch ist das quadratische Format seiner Bilder. Für die Arbeit an der Staffelei, bei der er nicht gerne gestört werden wollte, benützte er oft ein Fernrohr. Trotzdem ist das künstlerische Ziel aber keine naturalistische Abbildung, es geht eher um eine Auflösung der Dreidimensionalität der Landschaft in Farbpunkte und Farbflecke, die ziemlich "flächig" erscheinen und von denen wenig Tiefenwirkung ausgeht - wenn man das in aller Kürze hier so sagen kann.

Klimt, dessen Werke heute bei internationen Auktionen Höchstpreise erzielen, war auch als Persönlichkeit eine beeindruckende Erscheinung. Zahlreiche Fotografien zeigen ihn mit seiner Freundin Emilie Flöge, wobei die extravagante Kleidung der beiden auch heute noch Ausehen erregen würde. Mit seinem bodenlangen Malerkittel und dem bärtigen Antlitz sieht er beinahe aus wie ein Philosoph aus der Antike, und die untaillierten "Reformkleider" seiner Muse waren damals nicht weniger spektakulär.

In zirka fünfzig Bildern hat Gustav Klimt Motive aus dem Atterseegebiet verarbeitet. Ein Teil dieser Werke befindet sich heute im Besitz der Österrreichischen Galerie im Belvedere in Wien. Es sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass am Attersee ein Gustav Klimt Themenweg installiert wurde. Über zwanzig Stelen ermöglichen das Nachempfinden der Landschaftsmalerei von Gustav Klimt.

Ein zentrales Merkmal der modernen Kunst des 20.Jh. ist die Abstraktion und die Auflösung der Form, wie sie im Kubismus zum Ausdruck kommt. Erika Giovanna Klien (1900-1957) schuf 1922 mehrere Zeichnungen und Bilder mit dem Kirchturm von Seewalchen in der für sie charakteristischen, von Kubismus und Futurismus abgeleiteten Stilistik.

Das Werk der folgenden Künstler, die wir mit einer kurzen Charakteristik vorstellen möchten, ist eher der "traditionellen" Landschaftsmalerei zuzuordnen.

Sigmund Walter Hampel (1867-1949) lebte in Nussdorf am Attersee, der Einfluss des Impressionismus ist in seinen Werken spürbar; Hampel spezialisierte sich schon bald nach 1900 auf eine Aquarell- und Temperatechnik, die es ihm erlaubte, mit Hilfe einer feinen kleinkalibrigen Strichführung miniaturhafte Effekte zu erzielen.

Alfred Poell (1867-1929) war Arzt, Baritonsänger und Maler (1912 Mitglied der Wiener Secession), erwarb nach dem Ersten Weltkrieg ein Haus in Attersee; das Wasser mit seinen Spiegelungen und Bewegungen ist das bevorzugte Sujet dieses Malers, dessen stilistische Entwicklung von naturalistischen Anfängen in Richtung Impressionismus geht.

Richard Teschner (1879-1948) war Mitglied der Klimt-Gruppe und der Wiener Werkstätte und arbeitete als Maler, Bühnenbildner und Illustrator; seine Attersee-Bilder sind vom Impressionismus beeinflusst.

Artur Brusenbauch (1881-1957) war von 1920 bis 1939 Mitglied der Wiener Secession, wohnte in Abtsdorf (Gem. Attersee) und schuf zahlreiche Landschaftsbilder, die in der Tradition eines "stimmungsgesättigten Realismus" stehen.

Walter Gamerith (1903-1949) widmete sich der Landschafts- und Porträtmalerei; seiner Attersee-Bilder zeigen die Landschaft im Wechsel der Jahreszeiten, zB "Unterbuchberg im Winter" (Österr. Galerie Belvedere Wien), berühmt ist das von Gamerith in Auftrag gegebene Haus in Unterbuchberg (Architekt E.A. Plischke).

Lisl Engels (geb. 1916) kam seit ihrer Kindheit an den Attersee. Auf ihren Bildern, welche meist in Temperatechnik auf Papier ausgeführt sind, wirken die Landschaften und der See wie von einem südlichen Licht durchflutet.

Als Segler kam Christian Ludwig Attersee (geb. 1940) an den Attersee, dessen Namen er zu seinem Künstlernamen machte. Eine Fülle von Werken bezeugt die Kreativität dieses "künstlerischen Multitalentes". Attersee zählt zu den bekanntesten österreichischen Malern der Gegenwart, und zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland sind durch Kataloge und Bücher dokumentiert. In seinen expressiven Atterseebildern mit poetischen Titeln wie "Morgenkuss" oder "Maiboote", die übrigens das quadratische Bildformat Klimts aufnehmen, ist die Seelandschaft auf subjektive Weise verarbeitet.

Der See und die Landschaft inspirieren heute noch zahlreiche Maler. Insbesondere ist es das Höllengebirge, von welchem eine große Faszination auf Künstler ausgeht. Wir verweisen hier auf die Beziehung des Komponisten Gustav Mahler zu diesem Gebirge. Jeder, der auf Bergwanderungen in diesem Gebirgsmassiv unterwegs ist, wird etwas von dem besonderen Licht spüren, das durch die Reflexion an den hellen Kalkwänden manchmal eine sehr südländische Atmosphäre schafft. Aber auch unten am See beeindrucken die Felswände und Steilhänge dieses Gebirges.

Immer wieder ist sie an dieselbe Stelle am südlichen Ende des Attersees gefahren, wo neben der Straße nur ein schmaler Streifen am Ufer war, von dem aus man die Wirkung des Lichtes auf Gebirge und See studieren konnte. Lydia Roppolt (1924-1995) ist vor allem als Schöpferin von Glasfenstern und Werken der Sakralkunst bekannt. Als "Landschaftsmalerin" beschränkte sie sich eigentlich nur auf drei Themen: die Konradkirche bei Oberwang, den Schafberg und das Höllengebirge. Die Spiegelung des Gebirges im Wasser und die Leuchtkraft des Gesteines sind das Motiv vieler Aquarelle, die einen hohen Abstraktionsgrad aufweisen, das heißt, die Landschaft auf das Wesentliche reduzieren:

"Völlige Freiheit im Ausschöpfen der technischen Mittel und deren Kombination ermöglicht ihr überraschende Wirkungen, sichert ihr Reichtum im Ausdruck und lässt Lydias Aquarelle im zeitgenössischen Aquarellschaffen unverwechselbar hervortreten. In ihrer fulminanten Farbigkeit und einprägsamen Gestalt stehen sie gleichrangig neben Lydia Roppolts Ölbildern und Fresken."

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