
Die Marktgemeinde am nordwestlichen Ufer des Sees hat ca. 4.750 Einwohner und eine Fläche von 23,8 km².
Der Name -walchen (="Welsche", Romanen) deutet darauf hin, dass schon in der Römerzeit eine bedeutende Siedlung hier bestanden hat und nach der Völkerwanderung eine romanische Restbevölkerung hier zurückgeblieben ist.
Aus der Geschichte
Die Erforschung der jungsteinzeitlichen Pfahlbauten des Attersees begann 1870 in Seewalchen, wo der Archäologe Graf Wurmbrand beim Ausfluss des Sees in die Ager Pfahlbaureste entdeckte. Theodor Wang, welcher zusammen mit seinem Bruder Alexander um die Jahrhundertwende zahlreiche Funde (Steinbeile, Topfscherben, Schmuckgegenstände) aus dem Seeboden holte, verkaufte einen Teil davon an das Naturhistorische Museum in Wien. Eine große Zahl von Objekten erwarb auch Max Schmidt, dessen Sammlung von ca. 4000 Exponaten auf einem Schloss in Budapest untergebracht war und durch die Kriegsereignisse 1944 vernichtet wurde. Außer in Seewalchen sind auf dem Gemeindegebiet bis heute weitere Pfahlbauanlagen in Litzlberg und Unterbuchberg bekannt.
Von den zahlreichen Spuren, die die Römer hinterlassen haben, erwähnen wir das Bruchstück von einem römischen Grabstein mit dem Brustbild eines jungen Mannes. Dieses Fragment ist an der westlichen Außenwand der Pfarrkirche eingemauert. Ein bedeutender Münzfund aus der Zeit um 200 n.Chr., welcher 1950 gehoben wurde, befindet sich heute im Heimathaus Vöcklabruck.
Nach der Völkerwanderung entfaltete sich die bäuerliche Kultur der germanischen Baiern in zahlreichen Ortschaften auf dem Gemeindegebiet. Frühe urkundliche Belege finden wir für die Ortsnamen Buchberg (817), Steindorf (773) und Kemating (822). Interessant ist die Erklärung des Ortsnamens Ainwalchen, wobei es sich ursprünglich um ein abseits gelegenes einzelnes Romanengut gehandelt haben dürfte - im Gegensatz zum Romanendorf Seewalchen.
In Zusammenhang mit der Pfarre wird Seewalchen 1135 erstmals erwähnt. Das Patronizium zum hl. Jakobus d.Ä. deutet darauf hin, dass eine Kirche schon viel früher vorhanden war. Die Pfarrkirche und ihre Gründe und Güter gehörten seit dem 12. Jh. zu dem Benediktinerkloster Michaelbeuern im Land Salzburg. Das Kloster hatte hier bis zur Aufhebung der Grundherrschaft 1848 einen "Amthof", welcher schließlich um die Jahrhundertwende zu einem Schloss umgebaut wurde. Die seelsorgliche Verbindung mit Michaelbeuern endete erst 1983, als die Pfarre der Diözese Linz übergeben wurde.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. veränderte sich das Ortsbild von Seewalchen durch die Errichtung von mehreren Villen am Seeufer. In den Jahren von 1870 bis 1900 siedelten sich Wiener und Linzer Familien hier an, es zogen Verwandte und Bekannte nach und bauten teilweise sehr luxuriöse Häuser (Villa Daheim, Villa Paulick etc.)
Die Anbindung an ein modernes Verkehrssystem war für die Erschließung des Attersees als Ziel für die Sommerfrische überaus wichtig. Die Bedeutung der Eisenbahn (Westbahn Wien - Linz - Salzburg, Lokalbahn Vöcklabruck - Kammer) für die Anreise der Gäste spiegelte sich in dem folgenden Zitat aus dem Einakter "Das Bacchusfest" von Arthur Schnitzler, dessen Handlung in einer Bahnhofshalle spielt:
"...er hat mir ja telegraphiert, wie du weißt, daß er um 5 Uhr 20 Minuten aus Stubai hier ankommt. Er denkt natürlich, daß ich ihm entgegenfahre und ihn erwarte nach dieser sechswöchigen Trennung - und daß wir zusammen nach Seewalchen zurückfahren in unsere Villa...."
Zu den berühmtesten Gästen der Zeit um 1900 zählte der Maler Gustav Klimt, den wir im Abschnitt über die Malerei bereits näher vorgestellt haben. Der Litzlberger Keller war um die Jahrhundertwende die beliebteste Jausenstation Seewalchens. Der Name kommt vom Keller der ehemaligen Litzlberger Brauerei, in der bis 1930 Bier gebraut wurde. Ein Bild Klimts zeigt, wie das Gebäude vor dem Umbau in der Nachkriegszeit aussah.
1952 wurde die Umfahrungsstraße fertiggestellt, in den folgenden Jahren wurden das Strandbad sowie das Seebad Litzlberg errichtet. Der starke Bevölkerungszuwachs nach 1945 hatte eine rege Bautätigkeit und die Ansiedlung von Betrieben zur Folge. 1977 folgte aufgrund der steigenden wirtschaftlichen Bedeutung Seewalchens die Erhebung zur Marktgemeinde. Das neue Amtshaus (Rathaus) der Gemeinde wurde im Juni 1999 eröffnet.
Bauwerke und Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche zum hl. Jakobus d.Ä.
Der Innenraum wurde bei einer umfassenden Renovierung 1998-2000 erweitert, wobei die charakteristische Außenansicht im Wesentlichen erhalten blieb. An dem spätgotischen Bau, welcher
bis heute erhalten ist, wurde ab 1439 gearbeitet, der Triumphbogen vor dem Altarraum zeigt die Jahreszahl 1486. Ein barocker Hochaltar bestand bis 1885, anschließend wurde die Kirche im Stil der Neugotik "modernisiert". Für den neuen Hochaltar fanden drei spätgotische (überschnitzte) Holzfiguren Verwendung (Maria mit dem Kind, hl. Katharina und hl. Barbara). Die beiden seitlichen Anbauten an das Kirchenschiff erfolgten bei verschiedenen Renovierungen. Durch das Glasdach des nördlichen Anbaues haben sich die Lichtverhältnisse des Raumes sehr verbessert. Die beiden spätbarocken Seitenaltäre, welche 1954 aus Friedburg hierher kamen, sind jetzt im Nordanbau und im Erdgeschoß des Turmes aufgestellt. Ausständig ist noch der Einbau einer entsprechenden Orgel. Die Helmform des wuchtigen Kirchturmes stammt aus der Zeit um 1900.
Filialkirche Kemating
dem hl. Michael geweiht, der heutige Bau aus dem 15. Jh.; reizend inmitten von Feldern gelegenes spätgotisches Landkirchlein; neugotischer Altar von 1903, der ehemals barocke Kuppelhelm 1911 durch die gotisierende Pyramidenform ersetzt. Im Zuge der Josephinischen Kirchenreform wurde 1784 eine eigene Pfarre errichtet, welche jedoch nur bis 1791 Bestand hatte.
Filialkirche Buchberg
dem hl. Stefan geweiht, gehörte ursprünglich zu dem Benediktinerkloster Mondsee, das in der Nähe mehrer Besitzungen hatte; kleine spätgotische Landkirche, welche Anfang des 18. Jh. barock umgestaltet wurde.
Gnadenkirche Rosenau
nach der Gründung der evangelischen Pfarre Lenzing-Kammer 1954 folgte der Bau dieser modernen Kirche (1958-1960) im Stil der alten Siebenbürger Wehrkirchen. Zeitgleich entstand die Ortschaft Rosenau als Mustersiedlung von im Zweiten Weltkrieg heimatvertriebenen Siebenbürger Sachsen.
Schloss Litzlberg
auf einer Insel im See, der Name lautete ursprünglich Lützelburg und bedeutete kleine Burg (zu lützel vgl. engl. little = klein); Abbildungen aus dem 17. Jh. zeigen eine stattliche Anlage, welche Ende des 19. Jh. schließlich zur Gänze verfallen war. Der Neubau im Stile des Historismus stammt aus der Zeit um 1900. Der Steg zur Insel wurde 1917 errichtet. Insel und Schloss sind in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich.
Villen des Historismus
an der Promenade in Seewalchen und entlang der Atterseebundesstraße; die bedeutendsten sind die Villa Paulick, 1877 vom k.u.k. Hoftischlermeister Friedrich Paulick aus Wien errichtet. Beachtenswert ist die Dachlandschaft mit den Kaminen, dem Turm und den verschiedenen Dachreitern, zB in Schiffsform. Für die opulente Inneneinrichtung wurden Teile des Hofpavillons der Wiener Weltausstellung verwendet. Kulturhistorisch bedeutend ist dieses Gebäude durch die Aufenthalte der Maler Gustav Klimt und Richard Teschner. Die Villa, die sich in Privatbesitz befindet, ist im Rahmen von kulturellen Veranstaltungen (Konzerten) zugänglich.
Die "Villa Daheim", für den Wiener Tischler und Antiquitätenhändler Carl Friedrich Heinrich Schmidt erbaut, war 1874 einer der ersten Villenbauten am Attersee. Der eigenwillige Grundriss dieses mehrflügeligen Gebäudes entsprach dem Wunsch, möglichst viele Zimmer mit Seepanorama zu erhalten. Die Besonderheit des Gebäudes liegt in der reichen Innenausstattung (zB Wandvertäfelungen, Holzdecken) im Stile der Neorenaissance. Das an der Atterseestraße liegende Haus wurde 2002 umfassend renoviert und steht ebenso wie die Villa Paulick unter Denkmalschutz.
Hingewiesen sei auch auf zwei architektonisch interessante Bauten der Moderne, das Landhaus Eichmann in Litzlberg und das Haus Gamerith in Buchberg. (mehr dazu im Abschnitt profane Architektur)
Naturschutzgebiet Gerlhamer Moor (Gföhret)
in der Nähe der Ortschaften Neißing und Gerlham; wohl der letzte Rest eines kleinen nacheiszeitlichen Sees. Je weiter man in Zentrum dieses Moores vordringt, desto mehr typische Sauerwiesen- und Moorpflanzen kann man entdecken (Sonnentau, Wasserschlauch). Bei Grabungsarbeiten in den 90er Jahren entdeckte man außerdem die Reste von jungsteinzeitlichen Pfahlbauten, weshalb das Moor auch zum Denkmalschutzgebiet erklärt wurde.