English Deutsch Dutch Czech Magyar
  • Home
  • Winter
  • Kontakt


Find us on YouTube
Salzkammergut Blogg
REGIO 13 - Impulse für OÖ
Find us on facebook
Raiffeisenbank Attersee-Nord
Raiffeisenbank Attersee-Süd
Broschüren herunterladen
Attersee - Geniesse das Leben - Tank auf!
9 Kulinarium Attersee Betriebe verwöhnen Ihren Gaumen!<br />
<br />
9 Kulinarium Attersee Betriebe verwöhnen Ihren Gaumen!<br />
<br />

Literatur in der Region Attersee-Attergau

Das Leben der gehobenen Gesellschaft, die um die Jahrhundertwende am Attersee urlaubte fand Eingang in die Literatur.

GUIDO schaut Agnes an. AGNES liest weiter, lächelt. Da steht ja was von dir.

GUIDO Von mir?

AGNES Ja. - "Regatta am Attersee - Erster Preis Baron Ramming mit seinem Segelboot Sturm - zweiter Preis Doktor Guido Wernig mit seinem Segelboot Nixe."

Dieser kurze Ausschnitt aus dem Einakter "Das Bacchusfest" von Arthur Schnitzler zeigt, wie das Leben der gehobenen Gesellschaft, die um die Jahrhundertwende am Attersee auf Sommerurlaub war, Eingang in die Literatur gefunden hat. Segelsport, eine Baron, ein Doktor, Zeitungsklatsch - das sind einige Bausteine, die man für eine Beschreibung der "Sommerfrische" von damals recht gut verwenden konnte.

Bevor wir auf die Bedeutung der Atterseelandschaft für die Literatur des späten 19. und des 20. Jahrhunderts näher eingehen, wollen wir zuerst einmal noch weiter in die Vergangenheit zurückgehen.

Wir befinden uns in der Zeit der Gegenreformation. Bücher, die der "gemeine Mann" besitzt sind suspekt. Es könnte sich ja um verbotene protestantische Bücher handeln. Bei Razzien werden solche Bücher entdeckt, die Besitzer solcher Schriften streng bestraft. Und wenn sie dem lutherischen Glauben nicht abschwören wollen, so müssen sie das Land verlassen. Zu dieser Personengruppe gehören auch die Eltern von Johann Beer aus St. Georgen, denen ihr Sohn 1670 aus Passau nach Regensburg folgt.

Wer war dieser Musiker, Komponist und Schriftsteller, der 1655 in St. Georgen im Attergau geboren wurde und dessen literarisches Werk erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt wurde?

Johann Beer wirkte von 1680 bis zu seinem frühen Tod bei einem Vogelschießen als Kammermusiker, Organist, Sänger und Bibliothekar am Hofe des Herzogs August von Sachsen-Weißenfels. Und so nebenbei hat er auch noch an die zwanzig Romane geschrieben, für die er als Verfasser jedoch Pseudonyme gewählt hatte. In diesen Werken findet der Leser viele Ortsnamen aus dem Attergau (Wildenhag, Stampf, St. Georgen, Attersee, Litzlberg, Nussdorf, Schörfling), und diese Namen bezeugen, dass dem Verfasser die Erinnerung an seine Kindheit und die Landschaft, in der er sie erlebt hat, auch in der Fremde noch stets gegenwärtig war.

Seine Romane stehen in der Nachfolge des "Amadis" (z.B. "Ritter Hopffen-Sack")oder greifen das Vorbild des "Simplicissimus" und der Schelmenromane auf ("Die teutschen Winter-Nächte", "Die kurtzweiligen Sommer-Nächte"). Dabei bietet die Landschaft des Attergaues oft die Folie der Handlung, so die Beurteilung von Prof. Helmut Pachler, der anlässlich des 300. Todestages eine umfangreiche Ausstellung über diese vielseitige Künstlerpersönlichkeit zusammengestellt hat, die man im "Haus der Kultur" (Attergaustraße 21) in St. Georgen im Attergau besichtigen kann.

In der Zeit nach der Auswanderung Beers kommt es im Atterseegebiet zwar zu großen Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Kunst (Barockisierung der Kirchen, Schlossneubauten), an einer Lese- oder gar Schreibkultur der Bevölkerung war man von obrigkeitlicher Stelle bis zur Einführung der Schulpflicht jedoch kaum interessiert.

Erst mit den topographischen Beschreibungen (Ignaz Gielge, 1814) und den Reiseführern des späten 19. Jahrhunderts (P.R. Stolzissi: Der Attergau. Ein Vademecum bei Bereisung des Attergaues. Vöcklabruck 1883) kehrt die Literatur sozusagen an den Attersee zurück. Und es dann sehr schnell, denn um 1900 kommen viele bedeutende Künstler hierher.

Ein Treffpunkt der Künstler war damals der "Berghof" in der Nähe von Unterach am Attersee (auf dem Gebiet der Gemeinde St. Gilgen, Land Salzburg). Der schon eingangs erwähnte Arthur Schnitzler war dort in der Villa des Musikers Ignaz Brüll zu Gast, ebenso der Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal:

"Im Sommer 1910 besuchte uns Hofmannsthal von Aussee herüberkommend auf dem Berghof", erinnerte sich meine Mutter. "Er blieb ein paar Tage bei uns und las abends die ersten zwei Akte des 'Rosenkavalier' vor."

Weitere Gäste waren zu dieser Zeit die Schriftsteller Karl Schönherr, Felix Salten, Richard Beer-Hofmann und Jakob Wassermann. Der Begründer der Antroposophie, Rudolf Steiner, war als Hauslehrer auf dem Berghof. Auf die Komponisten und Musiker, die ebenfalls hier zu Gast waren, kommen wir in dem Kapitel über die Musik zurück.

Vom Berghof am südlichen Ende des Sees geht unsere literarische Spurensuche nun nach Norden, wo um die Jahrhundertwende großzügige Villenbauten errichtet wurden. Rudolf Hans Bartsch war zu seiner Zeit ein Autor, dessen Werke viel verkauft wurden. In Seewalchen ließ er eine Villa erbauen, und dort war Franz Karl Ginzkey 1918 erstmals auf Besuch. Ginzkey selbst wohnte ab 1944 ständig in Seewalchen, und er schrieb auch eine Reihe von Attersee-Gedichten.

In der Nachkriegszeit war Heimito von Doderer am Attersee. Er wohnte bei seinen Verwandten, die in Forstamt (zwischen Steinbach und Weißenbach) eine Villa besaßen. Damals arbeitete er bereits an seinem berühmten Roman "Die Strudlhofstiege".

Bis 1942 war sie mit ihrer Mutter regelmäßig auf Urlaub in Stockwinkl am Attersee, danach war dies nicht mehr möglich. Als Halbjüdin, Tochter einer jüdischen Ärztin, erhielt sie auch keinen Studienplatz in Wien. Die Großmutter und die jüngeren Geschwister der Mutter wurden deportiert und ermordet!
Die Rede ist von Ilse Aichinger (geb. 1921), deren Roman "Die größere Hoffnung" 1948 veröffentlicht wurde und die Autorin bekannt machte. Nach 1945 war Ilse Aichinger, die seit 1953 mit dem Schriftsteller Günther Eich verheiratet war, weider gelegentlich auf Besuch im Attergau, und zwar auf dem Lichtenberg (in der Nähe von Straß bei St. Georgen) beim "Peterbauern" Eichhorn. Wir möchten an dieser Stelle auf zwei kurze Werke hinweisen, die einen direkten bzw. indirekten Bezug zum Attersee haben. 1958 entstand das Gedicht "Attersee", welches in dem Lyrikband "Verschenkter Rat" veröffentlicht wurde. Diese Gedichtsammlung gilt seit ihrem Erscheinen 1978 als ein Höhepunkt deutschsprachiger Nachkriegslyrik. Bei dem zweiten Werk handelt es sich um die Kurzgeschichte "Seegeister" (in: Der Gefesselte, Erzählungen 1, 1948-1952), in der zwar keine Ortsnamen erwähnt werden, deren gespenstische Handlung und räumliches Kolorit ein ortskundiger Leser jedoch sehr wohl am Attersee ansiedeln könnte. Denn da fährt ein Postboot, welches bis nach dem Krieg wirklich auch im Winter auf dem See verkehrte, da gibt es Gasthöfe mit Seeterrassen, Segelboote und Sommergäste, und dass aus harmlosen Situationen Sisyphusarbeiten und Tantalusqualen werden, das erscheint bei Betrachtung der biographischen Erfahrung der Autorin in einem anderen Licht.

Ebenso düster wie in der oben erwähnten Kurzgeschichte in Ilse Aichinger ist die Stimmung in dem Text eines berühmten Schriftstellers, von dem wir einen kurzen Abschnitt folgen lassen:

.....ich will mich überhaupt nur auf die Dämmerung in Unterach und auf die Finsternis in Unterach in bezug auf mich in dem Zustand, in welchem ich mich in Unterach befinde, beschränken.(....) Die Dämmerung und die auf die Dämmerung folgende Finsternis in Unterach kann ich nicht in meinem Zimmer aushalten, aus diesem Grund laufe ich jeden Tag, wenn die Dämmerung die Finsternis in diese grauenhafte Gebirgsatmosphäre hereinzieht, aus meinem Zimmer hinaus und aus dem Haus auf die Straße. Ich habe dann nur drei Möglichkeiten: entweder in Richtung Parschallen oder in Richtung Burgau oder in Richtung Mondsee zu laufen...

In dem Text "Die Mütze" wiederholt Thomas Bernhard unentwegt die Ortsnamen, un die topographische Lokalisation, der Örtlichkeiten "stimmt", wenngleich die literarische Verfremdung darauf hinweist, dass es sich um eine imaginäre Landschaft handelt. Spätestens dann, wenn von den vielen Fleischhauern in Parschallen oder in Burgau die Rede ist, wird dies der Leser bemerkt haben.
Ähnlich ist es auch in dem Roman "Das Kalkwerk", wo die Handlung in Sicking spielt. Es gibt mehrere Ortschaften in der Umgebung, die so heißen, aber in Sicking (Oberhehenfeld, Gem. Schörfling) gab es wirklich ein Kalkwerk, wohin das in Weißenbach am Attersee gewonnene Gesteinsmaterial zum Kalkbrennen auf Schleppkähnen über den See gebracht wurde. Das Verlockende ist nun, dass man sich als Leser auf Spurensuche begeben will, um die "Realität" des Romans in der Wirklichkeit zu finden. Dietmar Grieser hat so eine Reise an den Schauplatz des "Kalkwerks" unternommen. Er kommt bei seinen Nachforschungen vor Ort aber nicht recht weiter, und so beschließt er, nach Ohlsdorf bei Gmunden zu fahren, um den Schriftsteller selbst aufzusuchen. Die Reise endet jedoch bereits vor dem Haus des Dichters, denn der Verfasser sieht vor dem abweisenden, festungsähnlichen Vierkanthof, dass dies die Klammer ist, "welche die in Sicking gesammelten Kalkwerkmotive zusammenhält, hier endlich fügen sich Realität und Phantasie magisch zur Synthese."

Die oben angeführten Schriftsteller, deren Werke mit einem Bezug zum Attersee wir kurz angesprochen haben, verbindet eine Tatsache: Sie sind von "auswärts" an den See gekommen. Der Autor, den wir nun vorstellen möchten, ist am Attersee aufgewachsen, und als einer der wenigen Berufsfischer, die es hier noch gibt, hat Hans Eichhorn natürlich eine ganz besondere Beziehung zu dem See und der Landschaft. Dies kommt in seinen zahlreichen Veröffentlichungen teilweise schon im Titel der Werke zum Ausdruck.

"Der See riecht nach frischem Fisch.
Die Heckensträucher sticheln hoch und winken.
Die gerippte Windhaut des Wassers verändert sich ständig, bleibt ständig gleich.
Zwischen Gebirge und See wird die Straße eng.
Eine Prise Frischwassergeruch
und eine Prise trockener Holzbretter dazu.
Die Kieswerkfahrzeuge rasen dahin.
Wir ducken uns in die Sträucher.
Eine Möwe fliegt aus dem Blick."

Mit diesem Ausschnitt aus der "umgehung", die eine Fußwanderung um den Attersee literarisch und fotografisch dokumentiert, nähern wir uns dem Ende unserer Betrachtungen über den Attersee als literarische Landschaft. Viel vom Flair des Sees wird in diesen Zeilen spürbar, der Leser wird sich bei den Kieswerkfahrzeugen vielleicht noch einmal an das "Kalkwerk" von Thomas Bernhard erinnern oder daran, dass an der Engstelle zwischen dem Wasser und dem Gebirge die vielen Höllengebirgsaquarelle von Lydia Roppolt entstanden sind, deren Entstehung im Abschnitt über die Malerei beschrieben ist.

Ganz zum Schluss kommen wir aber nochmals nach St. Georgen, und wir begegnen noch einmal Johann Beer, dessen Nachwirkung im Attergau H.C. Artmann gespürt hat, und die er mit einer in diesem Fall sehr farbigen Tinte zu Papier gebracht hat:

"Ein sonntag. Vor drei jahren um diese Zeit in St. Georgen am Adersee gewest, schweinsbraten mit krautsalat und knödeln gespeist, freundliches schmiedsgerank vor und in der kirche, himmelblaues, kälberfleischrotes, herrensilber, katzengold, fisolengrün. Alles recht schön befunden, fast Johann Beer angetroffen, gut gespeist, wohl getrunken. Erster Herbsttag."

zurückzurück

Seite druckenSeite drucken       Seite weiterleitenSeite weiterleiten