
Die aufgrund des Gebirgsanteiles flächenmäßig größte Gemeinde des Bezirkes (61,7 km²) hat heute ca. 900 Einwohner.
Die schroffen Felswände des Höllengebirges haben Ende des 19. Jahrhunderts den berühmtesten Sommergast Steinbachs, den Komponisten Gustav Mahler, bei der Arbeit an seinen Kompositionen inspiriert.
Aus der Geschichte
Mehrere Funde bezeugen, dass das Gemeindegebiet trotz der abgeschiedenen Lage bereits in der Jungsteinzeit besiedelt wurde. Ein Lochbeil, welches zuletzt als Streufund in der Ortschaft Oberfeichten ans Tageslicht kam, ist heute im Heimathaus Vöcklabruck zu besichtigen.
Bevor die Römer ihre Spuren hinterließen, dürften schon keltische Siedlungen in Steinbach bestanden haben. Angeblich soll sich auf dem Platz der heutigen Pfarrkirche auch eine heidnische Kultstätte befunden haben. Eine Sage erzählt, dass die Kirche ursprünglich auf dem "Kreuzbühel" erbaut werden sollte. Daoch als die Zimmerleute begannen, die Bauhölzer zu bearbeiten, hätten sie tags darauf bemerkt, dass alle Holzspäne von Waldvögeln auf den heutigen Standort getragen worden seien.
Der Ortsname "Steinpah" begegnet uns schon sehr früh in einem Codex des Klosters Mondsee aus dem 9. Jh. Steinbach soll im Frühmittelalter auch eine selbständige Pfarre gewesen sein, war aber jedenfalls ab 1120 eine Expositur (Nebenstelle) von St. Georgen im Attergau, wurde im 19. Jh. von Unterach aus betreut und erst 1890 eine eigene Pfarre.
Rodungsnamen wie Unterroith bei Seefeld deuten auf eine Erweiterung des Siedlungsraumes im Spätmittelalter hin.
Mehrere Sagen berichten von ein einem Silberbergwerk oberhalb des Ortes. J. Schmelz schreibt in seinem Attersee-Führer von 1948, dass ein Mitglied der Familie Khevenhüller in früherer Zeit den Stollen aufgefunden und menschliches "Gerippe und Werkzeuge des Grubenbetriebes" zu Tage gebracht habe. Da sich der Geheimprotestantismus in der Zeit der Gegenreformation besonders in abgelegenen Orschaften lange hielt, gründete Maria Theresia 1752 ein Missionsinstitut, das bis 1780 bestand. Bis zur Aufhebung der Grundherrschaft 1848 gehörte Steinbach zum Schloss Kogl bei St. Georgen, anschließend zur Gemeinde Weyregg, aus welcher 1886 Steinbach als eigene Gemeinde
herausgelöst wurde. Der Ausbau einer durchgehenden Straße entlang des Attersee-Ostufers beendete die idyllische Abgeschiedenheit des Ortes und setzte in der Infrastruktur der Gemeinde neue Akzente.
Bauwerke und Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche zum hl. Andreas
urkundlich bezeugt seit dem Hochmittelalter, der Neubau der Kirche in gotischem Stil dürfte zu Beginn des 16. Jh. erfolgt sein, da ein Wappenfenster des Salzburger Erzbischofs Matthäus Lang die Jahrezahl 1516 trägt. Der zweischiffige Kirchenraum mit der Mittelsäule, eine Westempore mit gerauteten Säulen und einem feingliedrigen Netzrippengewölbe zählt zu dem Typus der sogenannten Einstützkirchen. Eine auffällige Tatsache ist, dass das ebenfalls gotische Presbyterium (Altarraum) höher als das Langhaus ist. Die neugotischen Altäre wurden in den Jahren 1905 und 1911 aufgestellt und stammen von dem Linzer Bildhauer Ludwig Linzinger. Das ehemalige Hochaltarbild hängt heute an der linken Seitenwand.
Das Oratorium auf der rechten Seite des Altarraumes erhielt von der Bevölkerung die Bezeichnung "Jagastübl", da es für das Personal des Forstamtes Attergau reserviert war.
Im gotischen Turm, der über einer achteckigen Glockenstube 1858 die heutige "barocke Zwiebelhaube" erhielt, hängt noch ein Zügenglöcklein aus dem Spätmittelalter, welches von Experten auf die Zeit um 1410 datiert wurde. Es ist also anzunehmen, dass der Turm bereits damals an eine bestehende Kapelle angebaut wurde. Schon 1649 war die Kirche mit einer Orgel ausgestattet. Die neue Orgel wurde 2002 eingebaut.
Binder-Krippe
seit 1985 in der ehemaligen Beichtkapelle der Kirche aufgestellt, ein Kleinod heimischer Bildhauerkunst, vom akadem. Bildhauer Franz Binder in 25jähriger Arbeit geschaffen und 1965 vollendet; die bis zu 70 cm hohen Figuren sind aus Lindenholz geschaffen.
Friedrich-Gulda-Grab
Der weltberühmte Pianist Friedrich Gulda ist am 27. Jänner 2000 in Weißenbach verstorben und wurde auf dem idyllisch gelegenen Steinbacher Friedhof begraben. Das Grabmal zeigt "eine steinerne Weltkugel, darüber einen diese Kugel umspannenden Bogen als Zeichen für das Musikwirken Guldas auf der ganzen Welt und als Symbol für die Ganzheit der Musik, aus dem senkrecht die Notenlinien golden aufsteigen zur verklärenden Sonne im Diesseits und im Jenseits".
Gustav-Mahler-Komponierhäuschen
am Campingplatz in Seefeld beim Hotel Föttinger; der Komponist ließ dieses Häuschen 1893 erbauen, und es stand damals auf einer Seewiese; Mahler komponierte hier Teile der Zweiten sowie seine Dritte Symphonie. Ein Besuch dieser als Museum eingerichteten Örtlichkeit ist kostenlos und sehr zu empfehlen. Das Besucherbuch zeigt Eintragungen aus aller Welt. (Schlüssel an der Rezeption des Hotels Föttinger)
Gustav-Mahler-Gedenkstein
beim Landungssteg in Steinbach, zum 100jährigen Jubiläum der Entstehung der Dritten Symphonie errichtet.
Steinbacher Heimathaus
beim Strandbad in Seefeld; es ist im 1724 errichteten "Huthaus" untergebracht und diente ursprünglich als Unterkunft für die bei der Trift des Hallholzes beschäftigten Holzknechte. Unter Hallholz versteht man jenes Holz, welches für die Befeuerung der Sudpfannen für die Salzgewinnung nach Ebensee transportiert wurde. Im Heimatmuseum befindet sich auch ein Modell des Hallholzaufzuges, welcher im Weißenbachtal in der Nähe des kaiserlichen Jagdhauses von 1722 bis 1871 in Betrieb war und insgesamt drei Millionen Raummeter Hallholz über die höchste Stelle des Weißenbachtales beförderte.
Öffnungszeiten von Mai-September, jeden Mittwoch von 10-12 Uhr und gegen Voranmeldung (07663/401)
Hausmühle am Steinbach: Mahlvorführungen im Sommer jeden Dienstag ab 10 Uhr und gegen Voranmeldung (07663/401)
Klimt-Stele in Weißenbach
im Sommer 2003 errichtet (auf der Straße Richtung Bad Ischl am Ortsende von Weißenbach, kurz vor der Brücke über den Weißenbach auf einem Feldweg erreichbar); die schwenkbare Stahlplastik symbolisiert den "Bildsucher", mit dem Gustav Klimt die Motive für seine Landschaftsbilder gesucht hat.
Naturdenkmäler und geologische Raritäten
Bedingt durch den hohen Gebirgsanteil findet man in der Gemeinde Steinbach diesbezüglich einige Merkwürdigkeiten:
Nadelspitzen, im Volksmund genannt "die steinernen Mandln", sind durch Witterungseinflüsse gebildete Kalksteintürme am Nordwesthang des Höllengebirges.
Teufelsloch, ein Felsdurchbruch am Westhang der Gaisalm, von dem die Sage erzählt, dass an dieser Stelle der Teufel mit der Pfarrerköching aus Attersee durch den Fels geflogen sei.
Nixenfall - der Wasserfall am Fuße des Eibenberges im Weißenbachtal hat eine Höhe von ca. 60m und ist bequem über eine Wanderung am Talgrund erreichbar.
Seekugeln - die entstehen so: Nadeln der in Ufernähe stehenden Lärchen fallen in den See, sinken ab und werden mit dem am Seeboden befindlichen Schlick durch das Hin- und Herbewegen des Wellenschlages zu Kugeln geformt (zu besichtigen im Steinbacher Heimathaus).
Die Eibe neben der Hubertuskapelle beim Jagdhaus "Aufzug" ist 600-700 Jahre alt und seit 1984 als Naturdenkmal geschützt.