
Die Gemeinde hat heute ca. 3100 Einwohner und umfasst ein Gebiet von 23,2 km².
Durch die günstige Lage auf einer Anhöhe am nördlichen Ende des Attersees entwickelte sich Schörfling schon früh zu einem lokalen Wirtschaftszentrum und wurde 1499 zum Markt erhoben.
Aus der Geschichte
Holzpfähle, Steinäxte und Tonscherben aus dem Umkreis der Mondsee-Kultur (Pfahlbauzeit) sind schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Was die Datierung der Funde betrifft, so erbrachte eine neue archäologische Untersuchung (2000/2001) überraschende Ergebnisse. Durch die Untersuchung von Holzproben nach der Radiocarbonmethode (C 14), mit der man Funde aus organischem Material sehr genau bestimmen kann, sind die Wissenschaftler auf das Datum 3770 v.Chr. gekommen. Das heißt, dass der Beginn der Pfahlbaukultur am Attersee also zeitlich schon viel früher anzusetzen ist, als bisher angenommen. Die Pfahlbausammlung aus dem Schloss Kammer befindet sich heute im OÖ Landesmuseum in Linz.
Weiter Funde lassen eine Siedlungskontinuität von ungefähr 6000 Jahren vermuten, zum Beispiel ein Absatzbeil aus Bronze auf einem Acker in der Nähe von Schörfling (ca. 1500 v.Chr.) oder die Bronze- und Tonscherbenfunde im Gebiet um die Kirche von Schörfling (ca. 800 v.Chr.).
Eine 1929 in Kammer gefundene Osirisstatue aus der Römerzeit beherbergt das Stadtmuseum in Wels. Der Fund dieser Figur bezeugt die Verbreitung orientalischer Religionen bzw. ägyptischer Kulte im gesamten Gebiet des Römischen Reiches. Römische Soldaten brachten auch das Christentum sehr früh nach Oberösterreich, und die Konflikte, die dadurch entstehen konnten, thematisiert die Sage von Flavia:
"Wo heute das Schloss Kammer ist, soll sich ein römischer Edelsitz befunden haben. Das römische Mädchen Flavia hatte sich gegen den Willen des Vaters zum Christentum bekehrt. Der erzürnte Vater schmiedete seine Tochter in ein Schiffchen und übergab sie den reißenden Wellen der Ager. In der Nähe von Lambach (Einmündung der Ager in die Traun) befreiten Hirten das nackte Mädchen von seinen Fesseln." Stifts- und Marktwappen von Lambach zeigen eine bildliche Darstellung dieser Sage.
Der Ortsname Schörfling ist seit dem Frühmittelalter urkundlich belegt (Sceroluingon, 803), es handelt sich um einen "echten" -ing-Namen, der von dem althochdeutschen Personennamen Skerolf abgeleitet ist.
1260 wird erstmals ein Pfarrer von Schörfling erwähnt. Da die Verehrung des hl. Gallus aber schon im 10. oder 11. Jahrhundert weit verbreitet war, dürfte der Ursprung der Kirche auf diese Zeit zurückgehen.
Die im 13. Jh. erbaute "Veste Camer im Adersee", das spätere Schloss Kammer, befand sich auf einer kleinen Insel im See. Der Landweg zum Schloss wurde erst im 19. Jh. durch das Abtragen von drei kleinen Hügeln im Uferbereich aufgeschüttet.
Der gotische Neubau der Kirche begann im 15. Jh., 1515 erfolgte die Weihe der zweischiffigen spätgotischen Hallenkirche. Mit dem Beginn der Reformation sind in Schörfling von 1548 bis 1598 und von 1611 bis 1614 evangelische Pfarrer beurkundet.
Die im Zuge der Gegenreformation Anfang des 17. Jh. an die Westwand der Pfarrkirche angebaute große Loretokapelle machte Schörfling in der Barockzeit zu einem Marienwallfahrtsort. Ein Großbrand zerstörte 1787 nicht nur diese Kapelle, sondern auch das Kirchendach, den Turm und 36 Häuser im Markt.
1800 kam der französische General Lecourbe nach Schörfling; 1806 wurden 200 französische Soldaten, die in dem zu einem Militärhospital umfunktionierten Schloss Kammer gestorben waren, in der sogenannten "Franzosengrube" begraben.
Das Schloss Kammer war bis 1848 der Sitz des Landgerichtes. 1837 fand hier die letzte öffentliche Hinrichtung statt. Der zum Tode durch den Strang verurteilte Raubmörder wurde um 9 Uhr vormittags gehenkt und die Leiche zur Abschreckung bis 6 Uhr abends am Galgen hängengelassen.
Mit dem Beginn des Fremdenverkehrs nahm 1869 die "Erste conzessionierte Attersee-Dampfschiffahrt" hiren Betrieb auf. 1882 folgte die Eröffnung der Lokalbahnlinie Vöcklabruck - Kammer-Schörfling.
Nachdem bereits 1870 die ersten Pfahlbauten beim Ausfluss des Attersees entdeckt worden waren, entstand 1910 eines der ersten Freilichtmuseen in Europa. Die Rekonstruktion eines jungsteinzeitlichen Pfahlbaudorfes im Wasser beruhte aber, wie wir heute wissen, auf dem damaligen Wissensstand, da es sich ursprünglich um Seeuferbauten gehandelt hatte. Das "Pfahlbaudorf" wurde 1922 anlässlich der Dreharbeiten für einen Film niedergebrannt.
Der Yachthafen Marina bei Schloss Kammer, eine Reithalle und weitere Freizeiteinrichtungen haben in den letzten Jahrzehnten zu einer Belebung des Tourismus beigetragen, und durch eine eigene Autobahnabfahrt und eine Ortsumfahrung ist die Verkehrssituation verbessert worden.
Bauwerke und Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche zum hl. Gallus
Hohe, spätgotische Hallenkirche mit drei Mittelpfeilern; auf dem vorderen Pfeiler in Richtung Altar gotische Steinfigur des hl. Nikolaus (Patron der Schiffer und Flößer), darunter Wappenschild mit zwei Rudern, ganz oben zwei Steinbüsten (hl. Petrus und hl. Gallus). Von der ursprünglichen Inneneinrichtung (Flügelaltar) stammen die Marienstatue auf dem linken Seitenaltar (vermutlich von Lienhart Astl) sowie die beiden Reliefbilder (Geburt Christi, Maria und Elisabeth) an der rechten Wand des Altarraumes. Das große Bild des ehemaligen barocken Hochaltares (Himmelfahrt des hl. Gallus), von dem nur der Tabernakel erhalten blieb, hängt jetzt in der rechten Seitenkapelle. Das große Kruzifix über dem heutigen Hochaltar stammt von dem barocken Kreuzweg und wurde 1926 hier aufgehängt; links und rechts des Altares zwei überlebensgroße Barockstatuen (hl. Ambrosius mit Bienenkorb, hl. Augustinus mit brennendem Herz).
Das seitliche Eingangsportal der Kirche aus der Barockzeit; an der rechten Wand der Eingangshalle Totenschild mit Wappen des Freiherrn von Egg (1608).
Baubeginn des Kirchturms war 1638, Turmhelm in der heutigen Form seit 1873 (Höhe 60 Meter).
Im Außenbereich Reste des früheren Friedhofes: vergittertes Glasfenster am Fuße des Turmes mit teilweise beschrifteten Totenschädeln und Gebeinen aus dem 19. Jh.; in der Nähe des Torbogens an der Mauer Grabtafel des letzten Reichsgrafen von Khevenhüller-Frankenburg, Hugo Anton Johann (gest. 1884). - die Khevenhüller waren seit 1581 Besitzer des Schlosses und der Herrschaft Kammer.
Markplatz
moderne Brunnenanlage (1956), mehrere Häuser mit Stuckfassaden, z.T. aus der Barockzeit - etwas abseits (Erdl Nr. 13) ehemaliges Benefiziatenhaus (Wohnhaus des Wallfahrtspriesters der Loretokapelle); über dem Eingang Stuckrelief "Maria mit dem Kind" vom Schörflinger Stukkateur Holzinger.
Heimathaus Schörfling
Funde aus der Steinzeit, Urkunden, Dokumentationen der Berufsgruppen, Vereine und Feuerwehren; eine Kuriosität ist die 1999 anlässlich des 500jährigen Jubiläums der Martkerhebung gestickte Riesengoldhaube (Eintragung im Guinessbuch der Rekorde).
Schloss Kammer
Derzeit in Privatbesitz und nur bei öffentlichen Veranstaltungen (Schlosskonzerten) zugänglich; das Seeschloss, welches einst nur über eine Zugbrücke zu erreichen war, wurde zwischen 1622 und 1649 wesentlich vergrößert (Bau des Rittersaales) und unter der Leitung des Linzer Barockbaumeisters Johann Michael Prunner um 1710 baulich umgestaltet. Prunner plante auch das Ensemble der um einen runden Platz gruppierten Wirtschaftsgebäude. Von den ursprünglich vier Torbögen mussten jedoch die beiden Bögen über der Straße aufgrund des steigenden Autoverkehrs geschleift werden (Nordtor 1938, Südtor 1971). Die Lindenallee, welche von den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden zum Schloss führt, hat Gustav Klimt in einem seiner berühmten Attersee-Bilder dargestellt.
Flößerdenkmal
1983 beim Ausfluss des Sees in der Nähe der Agerbrücke errichtet; erinnert an die große Bedeutung des Sees für die Flößerei; über Ager, Traun und Donau wurden noch Anfang des 20. Jh. Holzflöße bis nach Wien und Budapest transportiert.
Kaethe Zwach Galerie
Frei-Raum für Kunst und Begegnung so lautet das Motto in der neu erbauten Kaethe Zwach Galerie. Inszeniert mit neuer Architektur, mitsamt Skulpturenpark und Wandelwegen.