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April bis Oktober 2010

Nussdorf am Attersee

Die Gemeinde am westlichen Ufer des Attersees hat ca. 1100 Einwohner und eine Fläche von 27,3 km².

1960 wurde der erste der drei großen Campingplätze eröffnet, wodurch die bäuerlich geprägte Struktur der Gemeinde neue Impulse erhielt.

Aus der Geschichte

Erste Nachweise einer Besiedelung in der Jungsteinzeit (Pfahlbaukultur) konnten 1983 durch Taucher erbracht werden. Im Nussdorfer Ortsteil "Gmauret" sollen in früheren Zeiten Fundamente eines alten Mauerwerkes zum Vorschein gekommen sein, von denen man annahm, dass sie aus der Römerzeit stammen könnten. Das Ende der 50er Jahre gefundene Frauenskelett aus der Zeit der bairischen Besiedelung (Frühmittelalter) befindet sich heute im Stadtmuseum Wels. Dass das Gemeindegebiet schon bald nach der Völkerwanderung neu besiedelt war, bezeugt die frühe urkundliche Erwähnung der beiden Ortschaften Zell und Reith ("per fines riute et celle in aterse", 748) in einem Mondseer Codex aus dem 12. Jahrhundert. Bei Reith handelt es sich um einen frühen Rodungsnamen, Zell bedeutet eine außerhalb der Klostergemeinschaft (in diesem Fall Mondsee) gelegene Mönchszelle.

Die erste urkundliche Erwähnung von Nussdorf stammt aus dem Jahr 1190 und lautete "Nisdorf", alle späteren Belege verzeichnen jedoch die heutige Lautgestalt "Nussdorf", und der Name soll wohl bedeuten, dass es sich um ein Dorf handelt, in dem Nussbäume wachsen. Gegen Ende des Mittelalters, als der Siedlungsraum und die landwirtschaftlich nutzbare Fläche knapp wurden, entstanden durch Rodung neue Ortschaften im bergigen Hinterland (zB Wienerroith, urkundlich 1325 als "Winderreut").

Nussdorf war nie ein Ort, von dem aus Herrschaft ausgeübt wurde. Es ist eher so, dass sich verschiedene Fürstbischöfe und Klöster an den bäuerlichen Erträgen bedienten. Zins- und Robot-Leistungen waren lange Zeit an das Nonnenkloster
Traunkirchen (1020 gegründet, 1573 aufgehoben)
zu entrichten. Geringe Freiheiten hatten sich im 14. Jahrhundert vier Bauerngüter erkämpft. Die Pfarre Nussdorf dürfte sich Anfang des 14. Jahrhunderts verselbständigt haben. In der Gegenreformationszeit war hier eine Predigtstelle der Jesuiten.

Nach der Gewährung der Religionsfreiheit (Toleranzpatent 1781) bauten dreißig evangelische Familien eine eigene Schule in Zell am Attersee, die von 1789 bis 1925 bestand. In dieser "Konfessionsschule" wurden seinerzeit die meisten evangelischen Kinder des Attersee- und Attergaugebietes unterrichtet.

Eine Brandkatastrophe zerstörte 1857 sämtliche Häuser des Ortskernes von Nussdorf. Auch der Pfarrhof und das wertvolle Pfarrarchiv wurden ein Raub der Flammen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. kamen die ersten Sommergäste nach Nussdorf, und in der Folgezeit entstanden einige Villenbauten am See. Zu erwähnen ist hier die Latzel-Villa, die bei einem späteren Umbau den klassizistischen Schlosscharakter erhielt.

Den Uferbereich von Nussdorf dominieren heute die drei großen Campingplätze. Von den alten Betrieben haben ein Sägewerk und eine Gerberei bis heute Bestand. Zahlreiche Veranstaltungen wie zum Beispiel das jährliche Oldtimer-Rennen ziehen ein großes Publikum an und beleben den Ort.

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche zum hl. Mauritius

Ursprünglich kleine spätgotische Landkirche, die durch einen modernen Umbau 1987/88 erweitert wurde; der gotische Chorbogen und das Presbyterium (Altarraum) mit dem Netzrippengewölbe blieben erhalten. Der Hochaltar
in spätbarock-klassizistischer Form stammt aus dem Jahr 1837; das Altarbild von einem namentlich nicht bekannten Maler zeigt den hl. Mauritius in der Kleidung eines römischen Soldaten mit den Gefährten Johannes und Paulus sowie zwei römische Palastbeamte. Die beiden (Wetter-) Heiligen Johannes und Paulus sind auch als Barockstatuen (in römischer Legionäuskleidung und mit der Palme als Märtyer-Kennzeichen) an der Wand vor dem Chorbogen präsent. Ob die Wahl dieser Heiligen auf frühchristliche Spuren aus der Römerzeit zurückgehen könnte, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden, erstaunlich ist es aber schon, dass so viel "Römisches" in der Kirche ist. Berühmt ist das Marienbild auf der linken Seite im Kirchenraum. Der Maler E. Oberhauser verwendete als Modell für das Gesicht der Madonna ein Porträt von Emma Adler (1858-1935), der Gattin von Victor Adler (Gründer der sozialdemokratischen Partei Österreichs). Das Ehepaar Adler verbrachte mehrmals den Sommer in Parschallen. Dem Vorwurf, dass er eine "jüdische" Frau bzw. eine "Rote" (Sozialistin) abgebildet habe, konnte der Maler entgegnen, dass Maria selbst ja schließlich auch eine Jüdin gewesen sei. - Interessant ist in Zusammenhang mit dem Mariengemälde die Bildung einer Legende, welche besagt, die Kirche sei bei einem Brand zerstört worden, nur das Bild sei dabei unversehrt geblieben. Offensichtlich werden hier historische Tatsachen wie die Brandkatastrophe von Nussdorf (1857) und das Aufsehenerregende des Marienbildes in eine Beziehung gebracht. Die nach dem Kirchenumbau vom belgischen Orgelbauer Patrick Collon in den 90er Jahren errichtete einmanualige Orgel mit geteilten Registern und angehängtem Pedal ist nach Art der alten spanischen Orgeln aufgebaut. An der südseitigen Friedhofsmauer steht eine interessante Grabkapelle mit beschrifteten Totenschädeln und bemalten Reliefbildern (Geburt Christi, Flucht nach Ägypten - 1868).

Rannsonet-Villa

Früher ein Priesterseminar-Heim, derezeit Seminarhotel "Grafengut", erbaut 1873 von Eugen Freiherr von Ransonnet-Villez (1838-1926); die Tochter des Freiherrn vermachte den Besitz der Diözese Linz. Ransonnet war ein weltgereister Marineoffizier der k.u.k. Armee und betätigte sich zugleich als Maler und Schriftsteller. Zum Beispiel malter er um 1860 in einer Tauchglocke die Korallenwelt des Indischen Ozeans. Zahlreiche Bäume und Gewächse, die er son seinen Weltreisen mitbrachte, ließ er im Park der Villa pflanzen. Eine Riesenthuje hat mittlerweile einen Stammumfang von acht Metern erreicht. Als Gründer des "Union Yacht Club Attersee" 1886 hat Ransonnet zur Erschließung des Atterseegebietes für den modernen Tourismus einen wichtigen Beitrag geleistet.

Der 2001 errichtete Ransonnet-Themenweg bietet auf sieben Schautafeln weitere Informationen über diese vielseitige Persönlichkeit, welche für Nussdorf von großer Bedeutung ist. (Ausgangspunkt und Ziel im Ortszentrum)

Nussdorfer Dorfkrippe

Wird über Initiative der Goldhaubenfrauen seit 1998 alljährlich von Adventbeginn bis Mitte Jänner im Musikpavillon aufgestellt; die lebensgroßen Figuren von der Malerin und Bildhauerin Nora Brunnhofer; die Skulpturen der Krippenbesucher (Wirtsleute, Bergbäurin etc.) wurden nach dem Aussehen von "echten" Personen aus Nussdorf geformt.

Reiserbauernmühle

als letzte der einst zahlreichen kleinen Getreidemühlen von dem Verfall gerettet; im Sommer kann bei regelmäßigen Vorführungen beobachtet werden, wie mühsam früher für das tägliche Brot geschuftet werden musste.