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Attersee - Geniesse das Leben - Tank auf!
12. Juli 2012<br />

Profane Architektur

Eine Architekturgeschichte der weltlichen Bauten im Atterseegebiet müsste eigentlich bereits in der Jungsteinzeit beginnen, und zwar mit den aus Holz errichteten Pfahlbauten, die man in gewisser Weise als Vorläufer der späteren Bauernhäuser bezeichnen könnte.

Auch die Villen des 19. und 20. Jahrhunderts finden bereits ein frühes Pendant in Form der luxuriösen römischen Villen, deren Fundamente man zum Beispiel in Weyregg ausgegraben hat.

Wenn wir uns in diesem kurzen Überblick zuerst der bäuerlichen Architektur zuwenden, so ist zu bemerken, dass von der historischen Bausubstanz in unserer Gegend relativ wenig erhalten geblieben ist. Besonders in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Bauernhäuser neu aufgebaut, wobei aber der ursprüngliche Haustyp, das Mittertenn-Einhaus, auch die Gliederung der Neubauten beeinflusst hat. Von Westen her kommend verbreitete sich dieser auch als alpin-bairisches Einhaus bezeichnete Haustypus bis in den Attergau. Charaktieristisch für das Mittertenn-Haus ist, dass alle Wirtschafts- und Wohnräume unter einem einzigen Dach (meist Satteldach) firstgleich in einem wohlorganisierten Zusammenhang stehen.

Ein Beispiel dafür ist das Heimathaus in St. Georgen i.A. als renoviertes Mittertenn-Haus mit dem früher üblichen, mit Steinen beschwerten Legschindeldach.

Vereinzelt findet man in manchen Ortschaften noch Bauernhäuser, die völlig aus Holz erbaut sind (in Alkersdorf, in St. Georgen in der Doblergasse, in Attersee vor der evangelischen Kirche). Die noch frühere Form, das kaminlose Rauchhaus, welches ehemals auch im Attergau verbreitet gewesen sein dürfte, kann man heute nur mehr in Mondsee besichtigen (Freilichtmuseum Mondseer Rauchhaus). Bei Wanderungen durch die bäuerliche Landschaft wird man auch eine weitere Form des Bauernhauses entdecken. Diese aus Bruchsteinen aufgemauerten Bauernhäuser mit einem pyramidenartigen Walmdach wurden zumeist im 19. Jh., oft nach vorhergehenden Brandkatastrophen, aufgebaut. Sie übernehmen von der räumlichen Aufteilung her die Form des Mittertenn-Einhauses. Oft zeigen auch die Jahreszahlen über dem Türstock das Jahr des damaligen Neubaues an. Beispiele dafür findet man etwa in Weyregg oder im Ortszentrum von Abtsdorf (Gemeinde Attersee).

Die Architektur der Herrschaft findet ihren Ausdruck in den Schlössern, von denen Schloss Kogl bei St. Georgen und Schloss Kammer am Attersee die am besten erhaltenen Beispiele sind. In Kogl und Kammer waren schließlich auch bis zur Aufhebung der Grundherrschaft 1848 die Zentren der Verwaltung des Attergaues.

Es ist aber in diesem Zusammenhang daruf hinzuweisen, dass es in unserer Gegend vormals viel mehr Schlossbauten gegeben hat. Diese wurden im Laufe der Zeit entweder abgebrochen, verloren durch Umbauten ihren Schloss-Charakter, oder es wurden Neubauten an der Stelle früherer Schlösser errichtet.

Ein neues Kapitel der profanen Architekturgeschichte beginnt mit dem Einsetzen des Fremdenverkehrs am Attersee ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Hier sind es vor allem die Sommervillen, die von begüterten Städtern errichtet wurden und die bis heute das architektonische Erscheinungsbild vieler Orte am See prägen. Insbesondere trifft dies auf Unterach und Seewalchen zu. In der Gemeinde Attersee entstanden in Aufham um die Jahrhundertwende der "Morganhof" und die "Villa Faber" (Architekt Max Fabiani). Die Formensprache dieser Bauten reicht vom Historismus (Villa Paulick, Seewalchen) über den Schweizer Stil (mit Laubsägearbeiten aus Holz vor allem im Giebelbereich) bis zum Fachwerkbau, welcher um 1900 in Mode kam. Zahlriche Beispiele für alle diese Formn lassen sich bei einer Fahrt rund um den See entdecken.

Angeblich hat Adolf Loos, einer der bedeutendsten Architekten des 20.Jh. bei einem Aufenthalt am Attersee die Bauernhäuser im Umkreis von Seewalchen studiert. Es gibt einen Aufsatz von Loos, welcher "Architektur" betitelt ist und wo der Autor eine nicht näher lokalisierte "abstrakte" Alpenlandschaft beschreibt. Interessant ist, wie der damals heftig umstrittene Architekt, der im selben Jahr (1910) das berühmte Haus am Michaelerplatz in Wien gebaut hatte, die Villenbauten der Jahrhundertwende beurteilte:

"Darf ich Sie an die Gestade eines Bergsee's führen? Der Himmel ist blau, das Wasser grün und alles liegt in tiefem Frieden. Die Berge und Wolken spiegeln sich in ihm und die Häuser, Höfe und Kapellen tun es auch! Nicht wie von Menschenhand stehen sie da. Wie aus Gotteswerkstatt sind sie hervorgegangen, wie die Berge und Bäume, die Wolken und der blaue Himmel. Und alles atmet Schönheit und Ruhe......Da, was ist das? Ein Mißton in diesem Frieden. Wie ein Gekreisch, das nicht notwendig ist. Mitten unter den Häusern der Bauern, die nicht von ihnen, sondern von Gott gemacht wurden, steht eine Villa. Das Gebilde eines Architekten. Von einem guten oder schlechten Architekten. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass Friede, Ruhe und Schönheit dahin sind.......

Wie soll nun der Neubau eines Hauses in unserer Zeit aussehen? Darüber streiten sich nicht nur die Architekten. Ein Haus, das nicht die herkömmlichen Klischees erfüllt (zB durch ein Pult- oder Flachdach), erregt auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch immer die Gemüter. Viel ist seit der Veröffentlichung des Aufsatzes von Adolf Loos am Attersee und im Attergau gebaut worden, besonders in den letzten Jahrzehnten. Dabei gilt für einen großen Teil der Neubauten, dass sie oft dem sogenannten "Alpeneinheitsstil" entsprechen, der eigentlich wenig mit den überlieferten Bauformen der jeweiligen Region zu tun hat. Friedrich Achleitner beschreibt dieses Phänomen mit folgenden Worten:

"Im Atterseegebiet werden heute vom Naturschutz bewegte, tief herabgezogene Walmdächer mit Fledermausgauben bevorzugt, eine Dachform, die (auf kulturpolitischen Umwegen) aus Norddeutschland stammt. Sie wird in Vorarlberg als Bodenseestil, in Kärnten als Wörtherseestil und im Burgenland als Pusztastil bezeichnet, und überall wird sie von einer bestimmten Bauherrn-Schicht als bodenständig empfunden. Ein Beweis dafür, daß es dabei nicht um Landschaft, sondern um bestimmt Prestige-Normen geht."

Wir wollen nun zum Abschluss dieses Kapitels einige moderne Bauwerke erwähnen, die für die Architekturgeschichte unserer Region von Bedeutung sind.
Das "Landhaus Eichmann" (erbaut 1928 in Litzlberg, Gde. Seewalchen) von Clemens Holzmeister gilt als Schlüsselbau einer ins Großbürgerliche gewendeten Moderne. Es wird erzählt, Holzmeister habe sich bei der Planung der zum See hin konkaven Fassade von der geschwungenen Form der einstigen Volksschule von Attersee (welche neben der Pfarr- und Wallfahrtskirche in Attersee auf den Ruinen der mittelalterlichen Burg Ende des 18. Jhs. erbaut wurde) inspirieren lassen. Die von Holzmeister geplante Villa hat nach mehrmaligen Besitzerwechsel und Geländeumbauten viel von ihrer ursprünglichen Wirkung verloren.

Ein "Schlüsselwerk der österreichischen und europäischen Moderne", welches erstklassig und authentisch erhalten wurde, ist nach Aussage von Friedrich Achleitner das "Landhaus Gamerith" in Unterbuchberg (1933/34, Architekt Ernst Anton Plischke). Wie spöttische Zungen behaupten, hätte so ein Bau, für den der Architekt 1935 den österreichischen Staatspreis erhielt, haute kaum mehr eine Chance, ein behördliches Genehmigungsverfahren durchzustehen. Es handel sich um einen Holzskelett-Bau, der zwar durch die Ausrichtung des Gebäudes, den Sonneneinfall und die Aussicht sehr wohl auf die Landschaft bezogen ist, durch den Verzicht auf baukulturelle Elemente (Flachdach statt des traditionellen Satteldaches) aber von vielen als Fredmkörper empfunden wird.

Ein architektonisch interessantes Haus befindet sich in Steinbach am Attersee. Die 1929/30 erbaute Biedl-Villa (Gmauret 9) erinnert in ihrem Aufbau ein wenig an Südtiroler Ansitze, durch die Verwendung eines modernen Pultdaches sollte der Kontakt zur Sonne, Aussicht und See betont werden.

Als einfacher, aber geschmackvoller Neubau aus dem Jahr 1926 präsentiert sich das "Landhaus Neuhauser und Roth" in Seewalchen am Attersee, welches der Architekt Josef Zotti geplant hat.

Um 1965 entstand in Abtsdorf in der Winterleiten (bei Breitenröth, Gde. Attersee) ein auf Pfeilern ruhendes Holzhaus am Hang mit einer großen Terrasse (Architekt Roland Rainer). Nach mehreren Umbauten und Abpflanzungen ging der ursprüngliche Charakter dieses Gebäudes weitgehend verloren.

Wie sehr ein Neubau auch in der Gegenwart noch immer zu Konflikten zwischen dem Naturschutz, der Baubehörde, den Bauherren und Architekten führen kann, dafür ist das Haus von Riepl/Riepl in Buchberg ein gutes Beispiel. Das schlichte Haus mit dem über die Terrasse weit nach vorne gezogenen "flachen" Dach ist von der Attersee-Bundesstraße aus gut zu sehen (auf dem Hügel links, wenn man von Attersee kommend über das steile Straßenstück zur Kirche in Buchberg hinauffährt). Das ursprünglich geplante Flachdach musste im Laufe des Bauverfahrens durch ein flach geneigtes Walmdach ersetzt werden.

Als Beispiel für einen Architekten, der aus Attersee stammt, erwähnen wir Franz Maul. Eines der von Luger und Maul geplanten Bauwerke, welches man gut besichtigen kann, ist die Badeanlage des Campingplatzes Gruber in Nussdorf am Attersee. Für die neu errichtete Badeanlage im Ferienpark Häupl in Mühlbach(Gemeinde Attersee) erhielten die Architekten Franz Maul, Maximilian Luger und Hubert Steindl 1992 den Landeskulturpreis für Architektur. Von den Häusern, die Franz Maul am Attersee geplant hat, erwähnen wir das Wohnhaus Frühwirt-Laaber in Attersee-Sonnleiten und den Umbau eines Mehrfamilienhauses in Attersee-Neustift.

In Nussdorf, am Hang an der Straße in die Wienerroith, befindet sich das "Haus Draxler", das der Architekt Johannes Spalt geplant hat.

Zeitgenössisches Bauen ist eine Thema, bei dem die Meinungen weit auseinandergehen. Man darf gespannt sein, wie die Entwicklung der Architektur im 21. Jh. weitergeht und welche Neubauten die "Kulturlandschaft Attersee-Attergau" in den kommenden Jahren beleben werden.

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