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Seepark Kammer<br />

Menschen, Tiere und Pflanzen

Die Wiesen, die Felder, die Wälder - so eine herrliche Naturlandschaft hier am Attersee, das ist erstaunlich!

Das kann man so nicht sagen, das ist ja alles ein Produkt der Land- und Forstwirtschaft, welches in jahrtausendelanger Arbeit von den Menschen geformt wurde. Stimmt eigentlich, aber im Höllengebirge, da kann man endlich die unberührte Natur genießen.
Die Natur genießen, das kann man dort sehr wohl. Aber eine unberührte Naturlandschaft gibt es auch da nicht. Nehmen wir zum Beispiel die Almen. Wo die Haustiere zur Sommerweide auf die Berge getrieben werden, dort ist seit Jahrhunderten ebenfalls der Einfluss der Menschen spürbar.
Wenn wir in den folgenden Abschnitten auf einige Besonderheiten der Flora und Fauna am Attersee hinweisen, so können diese Beobachtungen keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit erheben, sie sollen vielmehr dazu anregen, sie durch eigene Wahrnehmungen zu ergänzen.

Angeblich hat Napoleon, dessen Armeen um 1800 auf seinen Eroberungsfeldzügen durch unsere Gegend gekommen sind, überall Pappelalleen pflanzen lassen, damit sie den marschierenden Soldaten einmal Schatten spenden würden. Diese Baumreihen gibt es heute nicht mehr, aber Alleen sind nach wie vor ein bestimmendes Element der Landschaft. Die berühmteste Allee in diesem Zusammenhang ist sicher die von Schloss Kammer, an zweiter Stelle folgt wohl die einzeilige Baumreihe, welche vom Schloss Kogl in den Markt St. Georgen führt. Weitere alte Alleen findet man in Unterach und Weyregg, ein Beispiel für Neuplanzung aufgrund einer Straßenverbreiterung in Weißenbach.

Auch Einzelbäume sind ein bestimmendes Element der Landschaft. Zu erwähnen sind hier die Gerichtsbäume, welche im Mittelalter gepflanzt wurden. Die "1000jährige Linde" in St. Georgen, unter welcher vormals Recht gesprochen wurde, hat bis in die Gegenwart überdauert und beeindruckt weniger durch ihre Laubkrone als durch den mächtigen Stammumfang und die Tatsache, dass sie nur durch menschliche Hilfe bis heute überlebt hat.

In vielen Orten gibt es auch Jubiläumsbäume, welche zum Teil noch aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie stammen (Kaiserlinden etc.). Das Faszinierende dieser Bäume entsteht oft erst mehrere Generationen nach der Pflanzung, eben dadurch sind diese Bäume für die Nachkommen ein eindrucksvolles geschichtliches Zeugnis.

Baumpaare und Baumgruppen gehören ebenfalls zum Erscheinungsbild einer Kulturlandschaft. Meist stehen sie in enger Verbindung zu kirchlichen Kleindenkmälern. Wir erwähnen hier als einige wenige Beispiele das Holzkreuz mit den beiden hohen Pappeln am Seeufer zwischen Kammer und Weyregg, die beiden mächtigen Linden in Abtsdorf (Gemeinde Attersee) neben der Brusenbauchkapelle, die Birken beim Pestkreuz (an der Straße nach Buch) und jene, welche an den Kreuzwegkapellen des Kalvarienberges in St. Georgen gepflanzt wurden.

Künstlich gepflanzt sind "natürlich" auch die Apfel-, Birn- und Zwetschkenbäume der alten Bauerngärten, die für die Ernährung (Dörrobst, Most, Schnaps) früher eine viel wichtigere Rolle gespiel haben als heute. Streuobstwiesen mit Mostbirn- und Zwetschkenbäumen findet man nicht nur in kleineren bäuerlichen Ortschaften, sondern beipielsweise mit im Zentrum von Weyregg.

Im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Nutzung von Pflanzen möchten wir an ein Gewächs erinnern, das heute nicht mehr kulturviert wird: den Flachs, aus dem in mehreren Arbeitsgängen das Leinen hergestellt wurde, welches für die Bekleidung früher wichtig war. In einigen Heimathäusern der Gegend kann man die Geräte sehen, die man zur Flachsbearbeitung gebraucht hat. Der Beruf des Webers wird in vielen alten Aufzeichnungen genannt (z.B. in der Barockzeit lateinisch als "textor").

Zum Edelweißpflücken - welches ohnehin verboten ist - wird wohl kaum jemand an den Attersee fahren. Gleichwohl gibt es hier eine Reihe von seltenen, oft unter Naturschutz stehenden Pflanzen, denen der Wanderer begegnen kann. In der Gebirgsgegend sind dies wilde Rosen, Alpenzyklamen und Türkenbundlilien in der Umgebung von Weißenbach, in den sauren Wiesen und Sumpfgebieten der Moore Orchideenarten (Knabenkräuter), Wollgräser und fleischfressende Pflanzen.

Welche Tiere bekommt der Wanderer auf seinen Rundgängen am Attersee und im Attergau zu Gesicht? Vieles von der Tierwelt bleibt uns ja verborgen, und nur wenn manche seltene Tiere mit den Menschen in Konflikt kommen, werden wir auf sie aufmerksam. Ein Beispiel dafür ist der Marder, welcher häufig in die Nähe menschlicher Wohnungen kommt. Oder die Rehe im Wald, die in kalten Wintern in die Gärten kommen und die Rinde der Bäume abfressen. Oder die Feldhasen, welche sich im Dickicht der Wiesen verstecken und von landwirtschaftlichen Fahrzeugen aufgescheucht werden.
Wild lebende Tiere gibt es von den Höhen des Gebirges bis in die Niederungen der Fluss-Auen. Im Höllengebirge sieht man noch Gämsen, welche so schnell einen Abhang hinaufspringen können. Der Kaiser (Franz Joseph), der im Weißenbachtal gerne auf Jagd war, hat zahlreiche Gämsen erlegt. Auf einer Fahrt durch das Weißenbachtal kann es außerdem schon noch vorkommen, dass frühmorgens ein kapitaler Hirsch mitten auf der Straße steht. Wildschweine kommen nicht mehr frei vor, aber in ein Gehege im Sagerer in der Nähe von Straß im Attergau.

Die Futterstellen für die Wildtiere, die von den Jägern betreut werden, die "Hege und Pflege" führen dazu, dass die Übergänge vom wild lebenden zum domestizierten Tier fließend sind. So sieht man zum Beispiel an vielen Orten in letzter Zeit Gehege für Damwild.

Kulturgeschichtlich bedeutend sind gewiss die landwirtschaftlich genutzten Tiere wie Pferd, Kuh, Schwein, Schaf, Ziege, Huhn, Katze und Hund. Einige von diesen Tieren sind schon in der Jungsteinzeit (also vor rund 5000 Jahren) domestiziert worden, wie die Knochenfunde von Rindern, Ziegen und Hunden aus den Pfahlbaudörfern des Attersees und des Mondsees belegen. Dass diese Haustiere besonders für Städter attraktiv sind und selbst Künstler inspirieren können, beweist ein Bild von Gustav Klimt, welches "Der schwarze Stier" betitelt ist. Dieses Werk, das um 1901 zu Beginn der vielen Aufenthalte des Künstlers am Attersee entstanden ist, zeigt den "Stier Martin" im Stall des Brauhofes – heute Litzlberger Keller. Abschließend können wir behaupten, dass aufgrund der geografischen Lage der Region, die sich vom Hochgebirge bis in das Flachland erstreckt, die Pflanzen- und Tierwelt äußerst vielfältig ist und dass es die Aufgabe des Menschen ist, diese Vielfalt für die kommenden Generationen zu erhalten.
Dieses Ziel verfolgt zum Beispiel NATURA 2000. Dabei handelt es sich um ein europaweites Naturschutzprojetk mit dem Ziel, gefährdete Tier- und Pflanzenarten nachhaltig zu sichern. Der Attersee wurde aufgrund des Bestandes der beiden Fischarten Seelaube und Perlfisch im Jahr 2002 zum NATURA 2000-Gebiet erklärt.

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